USA: Mörderin überlebt Hinrichtung mit Giftspritzen
Im US-Staat Tennessee ist am Mittwoch die Hinrichtung einer 1996 zum Tode verurteilten Mörderin gescheitert: Da sie nach zwei Giftspritzen immer noch am Leben war, wurde die 50-jährige Christa Pike in ein Krankenhaus gebracht. Auch wenn es unterschiedliche Ansichten zur Todesstrafe gibt, sind sich die Medien in der Ablehnung einer solchen Vollstreckung einig.
Es gibt keine würdevolle Vollstreckung
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht sich in ihrer Ablehnung der Todesstrafe bestätigt:
„Es sind oft grausame Verbrechen, die die Todeskandidaten begangen haben – wenn sie denn zu Recht verurteilt wurden. Ebenfalls diese Woche wurde in Utah ein Mann nach 40 Jahren aus dem Todestrakt entlassen, der wohl unschuldig war. Christa Pike hat nie bestritten, dass sie gemeinsam mit einem Freund eine junge Frau gefoltert und ermordet hatte. Dennoch zeigt ihre gescheiterte Hinrichtung, wie richtig die Entscheidung der Bundesrepublik 1949 war, die Todesstrafe abzuschaffen: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Und einen würdevollen Weg, einen Menschen hinzurichten, gibt es nicht. Die Opfer bringt es auch nicht zurück.“
Sadismus überlagert Gerechtigkeit
Info.cz empört sich:
„Die Nachrichten aus der Justizvollzugsanstalt in Tennessee klingen eher nach einem perversen medizinischen Experiment als nach Gerechtigkeit im 21. Jahrhundert. Christa Pike, verurteilt wegen eines 1995 begangenen brutalen Mordes, ist zur Protagonistin einer Horrorgeschichte geworden, die in der modernen Geschichte ihresgleichen sucht. ... Diese misslungene Hinrichtung ist eine Anklage gegen ein System, das sich unter dem Deckmantel der Menschlichkeit dem reinsten Sadismus hingibt. Die Hauptfigur dieser makabren Geschichte hat den Tod wohl verdient. Doch sie hätte schon vor 30 Jahren hingerichtet werden sollen – auf würdige Weise.“
Eine vermeintlich perfekte Tötungszeremonie
Es war die Entlarvung eines Rituals, stellt La Repubblica fest:
„Jede Hinrichtung ist eine abscheuliche Zeremonie, manche mehr als andere. ... Die beiden gepanzerten Glasvitrinen, die wie in der schäbigsten Talkshow Befürworter und Gegner voneinander trennen, der Rachedurst der Angehörigen des Opfers, die Gier der zugelassenen Journalisten nach einer Schlagzeile, die falsche Feierlichkeit der Vollstrecker, die den Titel Henker ablehnen, weil sie ansonsten harmlose Aufgaben ausführen, wie Nadeln einführen, Knöpfe drücken, Vorhänge zuziehen, Lichter ausschalten. In der Mitte der Bühne stirbt ein Mensch. Was ist daran schlimm? Was könnte schlimmer sein? Dass etwas schiefgeht – oder alles glatt läuft, das hängt vom Standpunkt ab. Und dass die vorgetäuschte Reinheit des Rituals entlarvt wird, weil in diesem gut beleuchteten Raum etwas nicht nach Plan läuft.“
Henker und Heiler zugleich
Avvenire beleuchtet den Umstand, dass nach der gescheiterten Hinrichtung lebensrettende Maßnahmen ergriffen wurden:
„Der Staat als Henker, der Staat als Heiler. Die Hand, die tötet, ist dieselbe, die rettet. Das grausame Paradoxon eines Staates, der sich für allmächtig hält. … Über allem schwebt eine Frage: Was sieht das Protokoll des Staates für den – zugegebenermaßen unwahrscheinlichen – Fall vor, dass seine lebensrettende Maßnahme Erfolg hat und die zum Tode Verurteilte nicht stirbt und von dem Gift, das der Henker-Staat ihr verabreicht hat, entgiftet wird? Sollte diese Frau an ihren Platz in der Todeszelle zurückkehren und in einem tragischen, grotesken und surrealen 'Nochmal von vorn' erneut zum Schafott geführt werden? Ein Fallbeispiel für Juristen. Und ein Versagen der Menschlichkeit.“