Warum besucht der CIA-Direktor Moskau?
CIA-Direktor John Ratcliffe hat sich am Dienstag in Moskau aufgehalten. Der Besuch war inoffiziell und unangekündigt, jedoch blieb den Medien eine große Frachtmaschine des US-Militärs nicht unbemerkt, die – auf Flightradar24 sichtbar – von Washington über Riga nach Moskau geflogen war. Der Kreml bestätigte die Visite später und erklärte sie mit "Gesprächen zwischen den Geheimdiensten".
Ausweg aus der iranischen Sackgasse gesucht
Wie Soziologe Igor Eidman auf Facebook schreibt, geht es bei dem Besuch wohl nicht um die Ukraine, sondern um den Iran:
„Viele fragen sich, warum CIA-Direktor Ratcliffe so unerwartet und unter Zeitdruck nach Moskau geflogen ist. Manche verbinden damit sogar Hoffnungen – nämlich, Russland zum Frieden zu zwingen. Ich denke, all dies ist leider umsonst. In Wirklichkeit ist Ratcliffe höchstwahrscheinlich gar nicht wegen der Ukraine nach Moskau gekommen, sondern wegen der Sackgasse, in die Trump im Krieg mit dem Iran geraten ist. ... Deshalb ist Trump derzeit offenbar bereit, sich wie ein Ertrinkender an jeden Strohhalm zu klammern.“
Gewollt auffällig
Um Geheimhaltung bemüht war der Besuch jedenfalls nicht, merkt La Repubblica an:
„Hätte CIA-Direktor John Ratcliffe es vorgezogen, nicht aufzufallen, hätte er andere Mittel nutzen können, um heimlich nach Moskau zu gelangen. ... Es bleibt daher unklar, warum der Chef der amerikanischen Geheimdienste seinen ersten Besuch in Russland so öffentlich gemacht hat und was der Zweck der vier Stunden war, die er in der Hauptstadt verbrachte. Die Vermutungen reichen von Warnungen an Putin, er solle es nicht wagen, die Invasion der Ukraine auf Nato-Mitgliedstaaten auszuweiten, bis hin zu harmloseren und relativ üblichen Verhandlungen über den Austausch einiger Häftlinge.“
Geheimdienste als Troubleshooter?
Der Besuch kann ein Zeichen für eine echte Krisensituation sein, warnt Corriere della Sera:
„Der Einsatz von Geheimdienstchefs bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein großes Abkommen in Vorbereitung ist. Manchmal kann es sogar das Gegenteil bedeuten: Die Beziehungen haben sich so sehr verschlechtert, dass ein vertraulicher Kanal erforderlich ist, um Zwischenfälle zu vermeiden, Warnungen zu übermitteln und Themen wie Terrorismus, Atomwaffen oder Gefangenenaustausch zu besprechen. Kurz vor Ratcliffes Reise enthüllte der Geheimdienst Putins Pläne, neue Massenmobilisierungen durchzuführen und den Suwałki-Korridor zu bedrohen, der Russland [Belarus] von der zwischen Polen und Litauen eingeklemmten Exklave Kaliningrad trennt – alles Nachrichten, die der Nato Sorge bereiten.“