Ceuta: Versagen der spanischen Regierung?
Die humanitäre Situation in Ceuta ist mehr als drei Wochen nach Beginn der Krise noch immer katastrophal: Zwar ist der größte Teil der Migranten nach Marokko zurückgekehrt, doch die Verbliebenen werden erst jetzt in Unterkünfte verlegt und Minderjährige aufs Festland gebracht. Spaniens Premier Sánchez berief den Nationalen Sicherheitsrat ein, um eine Antwort auf die Krise zu koordinieren.
Überforderung trifft auf Unterwürfigkeit
El Mundo fragt sich, warum der spanische Staat so langsam reagiert:
„Nach fast einem Monat Urlaub beruft der Premierminister heute [25.8.] den Nationalen Sicherheitsrat und den Ministerrat ein, zur Einrichtung einer Kommandostruktur rund um den Minister für Territorialpolitik. … In Ceuta befinden sich noch immer 8.000 Migranten, doch die Polizei ist mit deren Identifizierung völlig überfordert. … Dieses Chaos versucht die Regierung nun mit einem Wirtschaftshilfeprogramm und der Lieferung von 45.000 Impfstoffdosen zu beheben. … Der Staat wirkt wie gelähmt, weil die Regierung überfordert ist. Sie hält an ihrer Beschwichtigungspolitik fest und nährt den Verdacht einer gewissen Unterwürfigkeit Marokko gegenüber.“
Europa hat sich abhängig gemacht
Exxpress blickt auf die Zusammenhänge:
„Ceuta zeigt wie unter einem Brennglas, wo Europas Migrationssystem noch immer versagt. Das erste Problem beginnt vor dem Grenzzaun. Europa hat einen wesentlichen Teil seines Grenzschutzes ausgelagert. ... Ende Juli versagten Marokkos Behörden spektakulär. Mitte August zeigte Rabat, dass es sehr wohl anders kann: Bei einem neuen Anlauf wurden knapp 300 Migranten gestoppt. Laut einem ranghohen Diplomaten stehen täglich mehr als 20.000 Sicherheitskräfte an der Grenze. Das macht den eigentlichen Fehler Europas sichtbar: Wer einen anderen Staat braucht, damit die eigene Grenze hält, gibt ihm Macht über diese Grenze. Europa hat sich damit von autoritär geführten Nachbarn abhängig gemacht.“