Wachstum für die gesamte Eurozone erwartet

In ihrer aktuellen Konjunkturprognose erwartet die EU-Kommission zum ersten Mal seit zehn Jahren Wachstum in allen Mitgliedstaaten. Im laufenden Jahr soll das BIP demnach durchschnittlich um 1,6 Prozent steigen, 2018 um 1,8 Prozent. Ist dies ein Indiz dafür, dass die Eurozone ihre Krise überwindet oder verkennt die Kommission die Realität?

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Die Tageszeitung taz (DE) /

Kommission ist atemberaubend naiv

Die EU-Kommission kann sich nur deshalb so optimistisch zeigen, weil sie alle Risiken ausblendet, die noch in der Eurozone schlummern, kritisiert die taz:

„Nur ein Beispiel: Kredite in Höhe von etwa einer Billion Euro sind faul, sodass es jederzeit zu neuen Bankenkrisen kommen kann. Besonders gefährdet sind Italien und Griechenland. Zudem ist auch das Wachstum selbst künstlich aufgebläht: Da Draghi die Zinsen nach unten drückt, liegt der Eurokurs sehr niedrig, was die europäischen Waren auf den Weltmärkten billig macht und die Exporte explodieren lässt. Aber diese Zusammenhänge werden von der EU-Kommission ignoriert, die stattdessen von steigenden Zinsen träumt - und den Sparkurs in den Krisenländern verschärfen will. Die Begründung ist atemberaubend naiv: Das Wachstum zeige doch, dass man die Defizite abbauen könne. Sollte sich Brüssel durchsetzen, ist eine Rezession programmiert. Die Eurokrise würde wieder aufflammen.“

Il Sole 24 Ore (IT) /

Italien wird zum größten Wackelkandidaten

Auch die Zeitung Il Sole 24 Ore zeigt sich nach der Veröffentlichung der Konjunkturprognose skeptisch, sieht sie doch Italien mit voraussichtlich 0,9 Prozent Wachstum in diesem Jahr und 1,1 Prozent 2018 auf keinen grünen Zweig kommen:

„Mit einer Mischung aus niedrigem Wachstum und hoher Staatverschuldung bildet Italien das Schlusslicht der Eurozone und der EU. Deshalb ist man in Brüssel überzeugt, dass Italien nicht genug unternimmt, um aus der Sackgasse herauszukommen, in die sich das Land seit Jahren selbst hineinmanövriert hat. Summiert man zu diesem Urteil noch die anhaltenden Spannungen und Schwankungen an den Finanzmärkten, wird Italien immer mehr zum Wackelkandidaten. Ob es nun gefällt oder nicht, Italien, das zwar an der Exportfront Wunder schuf, kann nicht hoffen, sich durchzumogeln und aus der Verantwortung stehlen zu können. … Die Wachstumsprognosen der Kommission bestätigen erneut einen Notstand, der zum Dauerzustand geworden und deshalb umso gefährlicher ist.“