Soll Litauen Arbeitsmigration fördern?

Seit Litauen EU-Mitglied ist, wandern immer mehr seiner Einwohner in andere Staaten der Gemeinschaft aus, vor allem nach Großbritannien und Irland. Es gehen besonders viele junge Menschen, was dem Land schwer zu schaffen macht. Litauische Medien streiten darüber, ob die Regierung sich im Gegenzug bemühen sollte, ausländische Arbeitnehmer ins Land zu locken.

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15min (LT) / 21. September 2017

Von Polen kann man lernen

Litauen muss von der Migrationspolitik anderer Länder lernen, schreibt der Historiker Alvydas Nikžentatis in 15min und nennt als Vorbild Polen:

„Polen hat in den letzten Jahren über eine Million Ukrainer einwandern lassen. Über diese Entscheidung freuen sich die polnische Wirtschaft und die Politiker. Ihrer Meinung nach hat man so Polens Rentensystem vor der Pleite gerettet. ... Solange wir hier in Litauen über Migration aus der Ukraine streiten, empfängt Polen alle uns zugeneigten Leute aus diesem Land mit offenen Armen. Wir riskieren derweil, uns am Ende vor einem Scherbenhaufen wiederzufinden.“

Lietuvos žinios (LT) / 22. September 2017

Keine billigen Arbeitskräfte aus dem Ausland

Billige Arbeitskräfte nach Litauen zu holen, wird das Problem nicht lösen, schreibt die Ökonomin und ehemalige EU-Abgeordnete Margarita Starkevičiūtė in Lietuvos žinios:

„Dadurch werden sich die sozialen Probleme nur verschärfen und unsere Bürger werden darunter leiden. Durch billigere Arbeitskräfte im Land würde man auch einen Anstieg des Durchschnittslohnes unterminieren. Unternehmen, die viele Arbeitsmigranten anstellen, stehen in keinem ehrlichen Wettbewerb mit denen, die lokale Arbeitskräfte beschäftigen. Und die Einwanderer werden ausgebeutet, weil sie sich mit den niedrigeren Löhnen zufrieden geben. ... Man muss auch klären, wie Einwanderer sozial- und rentenversichert werden. Und wenn sie ihre Familien mitbringen, haben sie die berechtigte Erwartung, dass sie weiter ihre eigene Kultur leben können und ihre Kinder ihre Muttersprache erlernen. Das alles auf Kosten unseres Staats.“

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