Trump und Kim: Wie ist der Deal zu bewerten?

Das Treffen zwischen Kim und Trump ist noch immer ein heiß kommentiertes Thema. Aus China kommen lobende Worte, während man sich in anderen Teilen der Welt fragt, was der Iran von Nordkorea lernen kann und warum ausgerechnet Trump den Deal mit Kim Jong-un zustande gebracht hat.

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Global Times (CN) /

Den Schatten des Kalten Krieges verlassen

Vor allem die Zusage des US-Präsidenten, gemeinsame Militärmanöver der USA mit Südkorea einstellen zu wollen, stößt im Leitartikel der chinesischen parteinahen Zeitung Global Times auf Begeisterung:

„Mit einer Abkühlung der militärischen Aktivitäten, weniger Beteiligung des US-Militärs und einem eventuellen Rückzug der US-Truppen wird die koreanische Halbinsel vollständig aus dem Schatten des Kalten Krieges treten. Sollte sich der politische Prozess auf der Halbinsel in diese Richtung bewegen, wird die gesamte Region davon profitieren. ... Trump und Kim haben nun die Möglichkeit, Geschichte zu schreiben. Wenn Trump die vollständige Denuklearisierung der Halbinsel gelingen sollte und Kim Nordkorea zu Wohlstand verhilft, ist es eine große Leistung von beiden.“

Milliyet (TR) /

Der Iran kann viel von Kim lernen

Nach diesem Gipfel ist jetzt der Iran an der Reihe und sollte sich etwas vom Verhandlungsgeschick Nordkoreas abgucken, rät Milliyet:

„Was ist Nordkoreas Geheimnis, das Trump wie einen achtbaren Staatsmann agieren ließ, so dass er sich an den Tisch setzte und anständig verhandelte? Das Mullah-Regime im Iran muss jetzt aufhören, die USA und ihren Verhandlungspartner Kim mit Beschimpfungen zu überschütten und stattdessen dieses Geheimnis lüften. Das ist notwendig, weil a) der Iran sich selbst in einer viel zu kritischen Situation befindet, als dass er die USA zu einem neuen Atomdeal bewegen könnte, und b) weil er nicht nur keine Beschützer hinter sich hat, wie Nordkorea mit Russland und China, sondern noch dazu einer vermeintlich geschlossenen 'Sunnitischen Front' gegenübersteht, die ihn am liebsten plattmachen würde.“

The Independent (GB) /

Obama wäre damit nicht durchgekommen

Immer wieder sind es die Hardliner, die diplomatische Erfolge feiern können, analysiert The Independent:

„Wenn Barack Obama jene Zugeständnisse gemacht hätte, die Trump bisher geboten hat, hätten die Republikaner bereits ein Amtsenthebungsverfahren gefordert. Doch bis jetzt hat es so gut wie keinen Widerspruch gegen Trumps Vorgehen gegeben. Es ist so wie im Fall Richard Nixons bei der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen mit China: Weil Trump als Hardliner wahrgenommen wird und weil er so großen Einfluss auf die republikanischen Stammwähler genießt, ist es ihm möglich, ein Abkommen mit Nordkorea zu schließen, das sonst nicht möglich gewesen wäre.“

Die Presse (AT) /

US-Präsident gebührt Anerkennung

Die Entspannung auf der koreanischen Halbinsel kann der US-Präsident als seinen Erfolg verbuchen, lobt die Tageszeitung Die Presse:

„Trump stieß mit seiner extravaganten Dealmaker-Diplomatie eine Türe auf, an die andere nicht einmal geklopft hätten. Das konnte nur einem eigenwilligen Haudrauf wie ihm gelingen. Es kommt jetzt darauf an, wie konzentriert seine Regierung den Verhandlungsweg fortsetzt und konkretisiert. Doch wo herkömmliche Methoden versagten, schafft Trump nun zumindest die Chance für einen Durchbruch. Schon jetzt kann er als Erfolg verbuchen, (mithilfe des südkoreanischen Präsidenten und des sanftes Drucks aus China), die Situation auf der koreanischen Halbinsel entspannt zu haben. Dafür gebührt ihm Anerkennung.“

The Irish Times (IE) /

Das ist ein schlechter Deal, Mister Trump!

Der nordkoreanische Machthaber hat den US-Präsidenten ausgespielt, glaubt The Irish Times:

„Pjöngjang hat 1993 und 2005 bereits ähnliche Zusicherungen gemacht - doch damals waren Inspektionen und ein Überprüfungsprozess Teil der Abkommen. Das bedeutet, dass Donald Trump weniger erreicht hat als Bill Clinton und George W. Bush - obwohl er weit mehr Zugeständnisse gemacht hat. Natürlich ist es besser, wenn Trump und Kim Jong-un Freundlichkeiten statt Drohungen austauschen. Vielleicht kann der Singapur-Gipfel der Anfang eines sinnvollen Prozesses sein. Doch er war ein schlechter Start. All seinem Bombast und Gepolter zum Trotz scheint Trump von einem umsichtigeren und strategischer denkenden Gegner ausgespielt worden zu sein.“

NRC Handelsblad (NL) /

Despot belohnt, Freunde geschwächt

Skeptisch zeigt sich nach dem Gipfeltreffen auch die Asien-Expertin Garrie van Pinxteren in NRC Handelsblad:

„Kim hat schlau den Drang Trumps ausgenutzt, als Friedensstifter in die Geschichtsbücher einzugehen. So bekam Kim - ohne auch nur irgendetwas dafür aufgeben zu müssen - auch noch den Status eines international respektierten Staatsmannes. ... Wie es nun weitergehen soll, ist unklar, dafür wurde noch nicht einmal ein Zeitplan festgelegt. Die Welt ist durch den Gipfel jedoch schon verändert: Trump hat die Machtposition von autokratischen Staaten wie Nordkorea, China und Russland gestärkt und seine wichtigsten Verbündeten, Südkorea und Japan, geschwächt.“

wPolityce.pl (PL) /

Das Leid der Nordkoreaner nicht vergessen

Die Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea dürfen nicht ausgeblendet werden, mahnt Wpolityce.pl:

„Wir Polen, die wir aus dem letzten Jahrhundert Erfahrung haben mit jeder Art von verbrecherischen Schandtaten, können nicht die leidenden Menschen in Nordkorea vergessen. Viel können wir nicht tun, aber zumindest gebühren ihnen unsere Gebete, unsere Worte. Eine Welt, die so einfach das schreckliche Los von 25 Millionen Koreanern vergisst, die jeglicher Rechte beraubt werden, die entwürdigt und ermordet werden, ist keine sichere Welt.“

Jutarnji list (HR) /

Kapitalismus soll Nordkoreaner umstimmen

Nordkorea soll durch die Verheißungen des Kapitalismus überzeugt werden, erklärt Jutarnji List Trumps Strategie:

„Washington hat bisher gehofft, dass die Verarmung Nordkoreas, bewusst herbeigeführt durch die westlichen Sanktionen und die dadurch initiierte Erhöhung der Rüstungsausgaben, zu einem Volksaufstand führen würde. Die neue Strategie lautet nun: Die Nordkoreaner sollen ihr Potenzial zur Erhöhung ihres Wohlstands nutzen können, dann werden sie den Kommunismus schnell vergessen, so wie die Chinesen. Tatsächlich liegt darin auch die Chance der Wiedervereinigung [mit Südkorea]. ... Wenn das Land von Samsung, Daewoo und Hyundai auf Frieden setzt, sollten die Südkoreaner durchaus auf ihre Kosten kommen, wenn sie in den Norden investieren und mit ihrem Won den Won von Kim einfach aufkaufen.“

Zoom (HU) /

Händedruck der Giganten

Der historische Handschlag, auf den die ganze Welt gewartet hat, ist endlich passiert, witzelt Zoom:

„Der erste Händedruck zwischen einem amtierenden amerikanischen Präsidenten und einem nordkoreanischen Regierungschef hat stattgefunden und er dauerte ganze 12 Sekunden. In seiner Bedeutung ist er nur mit dem Handschlag im Film Predator zu vergleichen, als Arnold Schwarzenegger auf Carl Weathers trifft. Im Vergleich zu seinen anderen legendären Handschlägen hielt Trump sich sich diesmal aber für seine Verhältnisse zurück, er zerrte Kim Jong Un nicht zu sich herüber und machte aus dem Treffen auch keinen Schwanzvergleich.“

Die Tageszeitung taz (DE) /

Zufallsprodukt einer Irrfahrt

Der historische Handschlag zwischen Trump und Kim ist für die taz noch lange kein Zeichen einer klugen Politik Trumps:

„Diplomatie ist im besten Falle getrieben von der Voraussicht. Wer verhandelt, darf sich nicht auf das eigene Bauchgefühl und Selbstvertrauen verlassen. Er muss genau wissen, welche Interessen das Gegenüber antreiben, wie er diesen begegnen kann und was aus dem eigenen Handeln folgen könnte. Wer darauf scheißt, mag im Einzelfall auch mal Erfolg haben. Als Vorbild für eine neue Diplomatie taugt er deswegen noch lange nicht.“

De Volkskrant (NL) /

Kims erstaunlicher Wandel zum Kuschel-Diktator

Vor dem Gipfeltreffen erregte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un Aufsehen mit einem touristischen Rundgang in Singapur. Die Volkskrant-Korrespondenten Michael Persson (USA) und Jeroen Visser (Südkorea) wundern sich über den Imagewandel:

„Es ist erstaunlich, wie sehr Kim in kurzer Zeit sein Image veränderte, weg vom irrationalen, aggressiven Diktator mit Atom-Ambitionen hin zu einem kuscheligen Staatsoberhaupt, das nichts lieber will als Friede und Freundschaft. Vergessen sind die Atomtests, die Drohungen mit einem alles vernichtenden Atomkrieg und die Ermordung seines Halbbruders auf dem internationalen Flughafen von Kuala Lumpur mit einem verbotenen Nervengas.“