Irland: Bedrückender Bericht zu Mutter-Kind-Heimen

In Irland ist der Bericht einer Kommission erschienen, die die Verhältnisse in Heimen für unverheiratete Mütter und ihre Kinder zwischen 1922 und 1998 untersucht hat. Die Kindersterblichkeit in den Heimen betrug demnach 15 Prozent. Die irische Regierung sprach bei ihrer Entschuldigung von einer "brutalen und erdrückenden frauenfeindlichen Kultur". Landesmedien diskutieren die Rolle der Kirche.

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The Irish Independent (IE) /

Die Kirche trifft nicht die alleinige Schuld

Man sollte nicht mit dem moralischen Zeigefinger nur auf das Versagen der katholischen Kirche zeigen, mahnt Liam Collins im Irish Independent:

„Wir dürfen nicht beschönigen, welchen Anteil auch die Gesellschaft an dieser beschämenden Lösung für das unbequeme Dilemma unverheirateter Mütter hatte. Für einige war es schlicht Armut. Für andere ein fehlgeleitetes Gefühl der Schande, das durch die religiöse Strenge der Zeit und der Sorge, was 'die Nachbarn' wohl sagen und denken werden, hervorgerufen wurde. ... Das Traurige ist, dass das Gute, das die Ordensgemeinschaften über Jahrhunderte in Schulen, Krankenhäusern und Heimen eben auch leisteten, so einfach weggefegt wurde – und das schon bevor der 3.000-seitige Bericht ihrem ohnehin schon geschädigten Ruf einen weiteren Schlag versetzt hat.“

Irish Examiner (IE) /

Katholische Moral hat all das erst ermöglicht

Man darf von der Hauptverantwortung der Kirche für die Zustände in den Mutter-Kind-Heimen nicht ablenken, bemerkt hingegen Irish Examiner:

„Zu suggerieren, dass die Kirche und der Staat hier ein Problem lösen wollten, statt sie als Hauptursache für das Problem zu erkennen, ist bemerkenswert. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass ein Großteil der Schuld auf die Familien abgewälzt wird. ... Das Ausmaß an Kontrolle, das Kirche und Staat über den Geist und Körper der Menschen hatten, darf nicht unterschätzt werden, wenn wir nun Schuldzuweisungen vornehmen. Die verwendete Sprache machte die Frauen zu Verbrecherinnen. Und welche andere Wahl hatten die Familien, als die Straftäterinnen abzugeben, in einer Zeit, in der Frömmigkeit und die Lehren der Kirche Vorrang vor gesundem Menschenverstand und Mitgefühl hatten?“