Österreich: Verlängerung des Wehrdienstes?
Eine von Verteidigungsministerin Klaudia Tanner eingesetzte Expertenkommission fordert in ihrem Abschlussbericht längere Dienstzeiten für Wehrpflichtige. Der Militärdienst in Österreich ist mit bisher sechs Monaten der kürzeste in ganz Europa. Unter drei ausgearbeiteten Modellen empfiehlt die Kommission acht Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate spätere Übungseinheiten – entscheiden muss die Politik.
Überfällig
Die Oberösterreichischen Nachrichten fordern begleitende Maßnahmen:
„[U]nser Militär war auch ein Spiegel der österreichischen Seele im Zeitalter der Neutralität. Das Heer wurde geschätzt als Katastrophenhelfer nach Hochwasser oder Lawinenabgang. Aber Kampf? Das konnte und wollte sich niemand mehr vorstellen. Die weltpolitischen Entwicklungen, vor allem der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine ..., erzwingen endgültig einen Abschied von dieser Mentalität. ... Die Forderung nach einer gleichzeitigen Attraktivierung des Wehrdienstes [ist] mindestens so berechtigt wie die Verlängerung der Ausbildungsdauer. Die Zeit beim Militär darf für junge Burschen (und Frauen, wenn sie das wollen) nicht als verloren gelten. In vielen Ländern ist der Militärdienst Karriere-Sprungbrett, weil er die Türen zu Ausbildung, Studium etc. öffnet. Solche Möglichkeiten sollte man auch in Österreich schaffen.“
Das darf nicht einzige Reform bleiben
Der Standard wägt ab:
„Aus militärischer Perspektive ist die Sache klar: Ein sechsmonatiger Grundwehrdienst ist – erst recht angesichts komplexer werdender Waffensysteme – zu kurz, um Soldaten auszubilden, die im Ernstfall schnell einsatzfähig wären. ... Es gibt aber auch Gegenargumente: Zwei Monate längerer Staatsdienst bedeuten auch: tausende junge Männer jährlich, die zwei Monate später dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Eher ungünstig bei stotterndem Konjunkturmotor und belastendem Budgetloch. ... Wenn schon länger, dann auch sinnvoller und treffsicherer, muss die Devise bei Reformen lauten. Sonst erschöpft sich die von Tanner viel beschworene 'Attraktivierung des Wehrdiensts' darin, dass er immer noch zwei Monate kürzer dauert als der Zivildienst.“