Iran-Krieg: Wie geht es weiter?
Seit einer knappen Woche greifen Israel und die USA den Iran aus der Luft an. Teheran antwortet mit Schlägen gegen Israel und benachbarte Golfstaaten. In Washington haben sich Senat und Repräsentantenhaus hinter das Vorgehen von US-Präsident Trump gestellt. Unterdessen stieg der Ölpreisdeutlich an und versetzt die Wirtschaft weltweit in Unruhe. Kommentatoren in Europa versuchen zu deuten, welche Entwicklung der Krieg nehmen wird.
Kaum kalkulierbarer Verlauf
Keiner weiß, wohin dieser Krieg führen wird, wirft La Stampa ein:
„Manche prophezeien, das Regime, erschöpft von den unerbittlichen Bombardierungen, werde irgendwann Verhandlungen nachgeben und endgültig auf jegliche nuklearen Ambitionen und regionalen Ansprüche verzichten. ... Andere erwarten mit fast messianischer Zuversicht den großen iranischen Volksaufstand, der das Regime nach Jahrzehnten der Unterdrückung endlich stürzen soll. Wieder andere setzen auf einen langen Abnutzungskrieg, der selbst den entschlossensten Willen brechen kann. Und dann gibt es noch das Szenario, das die ganze Welt beunruhigt: eine unkontrollierte Eskalation, in der eine Rakete, die nur wenige Kilometer weiter fliegt als erwartet, ausreicht, um einen regionalen Konflikt sich zu etwas viel Größerem ausweiten zu lassen.“
Ein gefährliches Militärabenteuer
Für Israel und die USA läuft es nicht wie geplant, beobachtet Mladina:
„Das militärische Ziel ist die Zerstörung der strategischen Waffen des Iran, das politische Ziel der Sturz der derzeitigen Regierung. Eine militärische Intervention von außen soll einen internen politischen Umsturz ermöglichen. Diese groteske Einfachheit wurde zunächst durch die iranische Reaktion zunichtegemacht, die zu einer raschen Ausweitung der Kämpfe auf die Golfstaaten und zur Schließung der Straße von Hormus führte. Innerhalb kürzester Zeit entstand ein chaotischer regionaler Kriegsschauplatz mit globalen politischen und auch wirtschaftlichen Folgen. ... Das amerikanisch-israelische Militärabenteuer ist diesmal gefährlicher, als es scheint.“
Teheran setzt auf Durchhalten
Iran hofft darauf, dass seinen Gegnern die Kriegskosten über den Kopf wachsen, meint Historiker Mădălin Hodor auf republica.ro:
„Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger sagte einmal über den Krieg in Vietnam, dass die Vietnamesen keinen militärischen Sieg erringen müssen, sondern es ausreicht, dass sie einfach nur Widerstand leisten. Ich glaube, das gilt auch im Fall des Iran. ... Dem Regime in Teheran genügt es, Widerstand zu leisten und es zugleich zu schaffen, dass sich die Welt immer schwerer damit tut, die Kosten des Krieges zu akzeptieren. Die einzige Variante, den Krieg schnell zu beenden, ist ein interner Volksaufstand. Und das fürchtet Teheran mehr als die amerikanische Luftwaffe.“
Ohne Bodenoffensive kommt Trump nicht zum Ziel
Noch hat das iranische Regime Überlebenschancen, glaubt Karar:
„Jeder weiß, dass die US-Armee im Iran keinen wirklichen Erfolg erzielen kann, solange sie keine Bodenoffensive startet. Allerdings kann sie von der amerikanischen Öffentlichkeit keine Zustimmung für einen Landkrieg erwarten. Vor allem die Anhänger von Trumps Maga-Ideologie wollen unter keinen Umständen, dass sich die USA in Angelegenheiten außerhalb des Kontinents einmischen. ... Natürlich ist die Lage des massiv angegriffenen Iran nicht besser als die Trumps. Auch er braucht einen Ausweg, um sich zu behaupten. Aber derzeit ist der Iran am Zug. Wenn er seine Karten klug ausspielt, kann er einen Ausweg finden.“
Regime provoziert sein Ende
Für Teheran stehen die Chancen schlecht, analysiert Geograf Pierre Firode in The Conversation France:
„Das enthauptete, illegitime und isolierte iranische Regime kann nur auf eine politische Erosion der amerikanischen Unterstützung für den Krieg hoffen. Um dies zu erreichen, werden die Revolutionsgarden zweifellos alle ihnen zur Verfügung stehenden asymmetrischen Mittel einsetzen: langanhaltende Drohnenangriffe auf US-Stützpunkte am Golf, die Zersplitterung der Streitkräfte, um der feindlichen Feuerkraft zu entgehen, und eine Medienoffensive, die darauf abzielt, arabische Nachbarn und die westliche Öffentlichkeit zu terrorisieren. Diese Strategie bleibt ein zweischneidiges Schwert für das Regime, da sie sowohl die Golfmonarchien als auch die US-Politiker davon überzeugen könnte, dass es unerlässlich ist, dem Regime ein für alle Mal ein Ende zu setzen.“
Blutige Niederschlagung droht
Polityka sorgt sich um das Schicksal der iranischen Bevölkerung:
„Im schlimmsten Fall hören die Iraner auf Trump und erheben sich gegen die Diktatur, doch ihre Rebellion wird blutig niedergeschlagen. So etwas ist 1991 den Irakern passiert, die den Aufrufen von George Bush senior gefolgt sind. Selbst wenn die iranische Armee zerschlagen wird, bleiben den Ayatollahs noch hunderttausende Basidsch, revolutionäre Freiwillige, die mit Knüppeln und Gewehren alle bisherigen Straßenunruhen im Iran niedergeschlagen haben. Sie lassen sich nicht so leicht bombardieren wie Radaranlagen, Raketenwerfer und Militärstützpunkte.“