Iran-Krieg: Wie reagieren die Länder der Region?

Der angegriffene Iran feuert mit Raketen und Drohnen auf Israel, US-Stützpunkte in der Region und auch auf die Infrastruktur bei seinen reichen südlichen Nachbarn. Die meisten Geschosse werden abgefangen. Die Türkei meldete den Abschuss einer vermutlich in Richtung Zypern fliegenden Rakete. Besonders kompliziert wird das Verhältnis der Golfstaaten zu Teheran auf der einen und Washington und Tel Aviv auf der anderen Seite.

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Il Manifesto (IT) /

Traum von friedlicher Koexistenz geplatzt

Die Golfstaaten wollen den Krieg nicht, wirft Il Manifesto ein:

„In den vergangenen Jahren hatten sunnitische Länder, trotz gegensätzlicher Ausgangspositionen und Bündnisstrukturen, auf eine Normalisierung der Beziehungen zu Teheran hingearbeitet, im Bewusstsein, dass eine ernsthafte Destabilisierung den Zusammenhalt ihrer Gesellschaften und ihre Volkswirtschaften gefährden würde. Die Präsenz traditionell marginalisierter schiitischer Gemeinschaften, die Notwendigkeit, das Image stabiler und 'moderner' Inseln in einer konfliktgeplagten Region zu wahren, und die Abhängigkeit von der Weltwirtschaft haben sunnitische Herrscher dazu bewogen, eine 'moderate' Haltung gegenüber Teheran einzunehmen und Washington monatelang unter Druck zu setzen, dem Gesang der Sirenen Israels nicht nachzugeben.“

Trud (BG) /

Ohnmächtige Wut wird Teheran noch schaden

Der Iran ruiniert gerade die Beziehungen zu seinen Nachbarn, schreibt Trud:

„Die Mullahs begehen in ihrer ohnmächtigen Wut eine kolossale Dummheit. Sie haben einen massiven Angriff auf alle Länder am Persischen Golf organisiert, mit denen sie ein stillschweigendes Nichtangriffsabkommen haben. Das ist äußerst unklug, denn wenn die Mullahs an der Macht bleiben, müssen sie irgendwie mit ihren Nachbarn zusammenleben. Allein auf die Vereinigten Arabischen Emirate wurden etwa tausend Raketen und Drohnen abgefeuert.“

Politis (CY) /

Türkei zwischen den Fronten

Eine Zwickmühle für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sieht der zyperntürkische Kolumnist Şener Levent in Politis:

„Er versucht, die Angelegenheit mit einigen kritischen Äußerungen gegenüber Israel zu regeln, ohne die USA und Trump überhaupt zu erwähnen. Wie weit wird das gehen? Es gibt amerikanische Stützpunkte in der Türkei. ... Die Türkei scheint ihre Nutzung derzeit nicht zuzulassen. ... Sollte der Iran [von dort aus] angegriffen werden, wird er mit Sicherheit reagieren. Und damit wäre auch die Türkei offiziell in den Krieg verwickelt. Wenn Erdoğan den USA die Erlaubnis erteilt, wird er vom Iran angegriffen. Wenn er sie nicht erteilt, wird er von Trump angegriffen. Befindet sich unser Diktator vielleicht zwischen zwei Fronten?“