Welche Folgen hat die Gewissheit im Fall Nawalny?
Laboruntersuchungen in Deutschland, Schweden, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien haben ergeben, dass der russische Oppositionelle Alexej Nawalny vor zwei Jahren im Gefängnis mit dem Gift Epibatidin getötet wurde. Kommentatoren sind von dieser Erkenntnis nicht überrascht, erkennen aber Folgen ihrer Veröffentlichung.
Gift wird zum Bumerang
Die neuesten Erkenntnisse zum Tod von Nawalny zeigen, dass man Putin nicht über den Weg trauen darf, so The Independent:
„Putin hat sein eigenes Vermächtnis vergiftet, nicht zuletzt durch den Beginn eines blutigen und aussichtslosen Kriegs gegen die Ukraine, sondern auch durch den offensichtlichen Versuch, die Erinnerung an seinen bekanntesten Gegner durch dessen Tod zu ersticken. ... Die meisten Menschen im Westen können ihn nie wieder als Partner akzeptieren. Die wichtigste Folge der Enthüllungen über Nawalnys Tod wird sein, dass es für die europäischen Verbündeten der USA unmöglich wird, einen Friedensplan Trumps für die Ukraine zu akzeptieren, der Putin belohnt. Gift, so zeigt sich, kann ein Bumerang sein.“
Schwere Schlappe für Putin
Die Journalistin und Vorsitzende von Nawalnys Antikorruptions-Stiftung FBK, Maria Pewtschich, konstatiert in einem von Echo übernommenen Telegram-Post eine Niederlage für Putin:
„Wissenschaftler haben jetzt doch die Spur des Giftes entdeckt und uns damit die Möglichkeit gegeben, nie mehr widerliche Formulierungen wie 'unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen' zu hören. ... Da dieser Mord im Gefängnis geschah, wo es keine zufälligen Zeugen gibt, wo nach niemandem gefahndet werden muss, wo ein Mensch nur das isst und trinkt, was ihm gegeben wird, hätte er für immer in der Kategorie 'mysteriöse Todesfälle' bleiben können. Putins Plan sah genau so aus. Und dieser Plan ist gestern gescheitert.“
Daran hat niemand gezweifelt
Auf Facebook bescheinigt der Ökonom Konstantin Sonin der Kremlführung Feigheit und Niederträchtigkeit:
„In Wirklichkeit hat es nie echte Zweifel gegeben. Alexej Nawalny, der Anführer der russischen Opposition, wurde im Gefängnis auf Befehl von Putin ermordet. Fünf Länder haben die offiziellen Gutachten ihrer Labore veröffentlicht: In Alexejs Blut wurde Epibatidin entdeckt, ein Nervengift, produziert von einem seltenen ecuadorianischen Frosch und bereits vor zwölf Jahren synthetisiert im Moskauer Labor des FSB. In der Geschichte Russlands gab es vielleicht Regime, die schlimmer waren als das putinsche, aber es gab keine feigeren und niederträchtigeren.“