Biennale 2026: Ist so mit Kunst Staat zu machen?

Gegen die offizielle Teilnahme Russlands und Israels an der Biennale in Venedig gibt es massiven Widerstand: Die Jury des "Goldenen Löwen" trat zurück – und die EU strich 2 Millionen Euro zugesagter Fördermittel. Vor dem russischen Pavillon sorgten die feministischen Protestgruppen Pussy Riot und Femen für Aufruhr. Kontroverse Diskussionen in der Presse.

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Echo (RU) /

Das Regime vom Land trennen

In einem von Echo übernommenen Telegram-Post hofft Exilpolitiker Dmitri Gudkow auf bessere Zeiten für den russischen Pavillon:

„Manche sagen, es sei falsch, gegen den Pavillon zu protestieren. Dass dies eine 'Spiegelung' von Putins Verhalten sei und im Grunde genommen Russophobie. Ganz und gar nicht. Es ist in der Tat wichtig, das Land vom Staat zu trennen. Im Falle des Pavillons hat dieser Staat sich das Land untertan gemacht. ... Ein Staat, der Krieg führt und die Kultur buchstäblich tötet, Menschen in Gefängnissen festhält, aus dem Land treibt oder zu schändlichen Abmachungen zwingt. ... Und der Pavillon… Ich bin sicher, dass wir den Tag erleben werden, an dem er wiedereröffnet wird, ohne dass es Proteste vor seinen Fenstern gibt.“

Anna Narinskaya (RU) /

Fantasieloser Protest ist kontraproduktiv

Die Protestierenden haben das Gegenteil von dem erzielt, was sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, meint die Journalistin und Kuratorin Anna Narinskaja auf Facebook:

„Das ist schlechter Protest. Kann Protest schlecht sein? Ja, das kann er, wenn seine Form das, was als sein Inhalt deklariert wird, völlig zunichte macht. ... Also das hier ist eine schlechte Aktion. In jeder Hinsicht. ... Ich möchte mir ein rosa Häkeltop anziehen und Pussy Riot fragen: 'Warum gibt es in eurem Schaffen so viele Remakes?' Statt der angestrebten 'Demütigung' des russischen Pavillons - ist das Gegenteil passiert: Sie haben ihn ins Rampenlicht gerückt und einen Anlass geschaffen, über ihn zu berichten.“

Politiken (DK) /

Schluss mit dem geopolitischen Puppenspiel

Die Biennale braucht ganz grundsätzlich ein neues Konzept, fordert Politiken:

„Angesichts der vielen Länder mit eigenen Pavillons, die Krieg führen oder Nachbarländer besetzen, und der Bedeutung dieser Pavillons ist es vielleicht an der Zeit, das gesamte Konzept von Venedig zu überdenken. ... Vor diesem Hintergrund ist die Biennale so politisch aufgeladen. Viele Länderpavillons fungieren beinahe als Kulturbotschaften, in denen Länder durch 'Kunst' an einem geopolitischen Puppenspiel teilnehmen. Unter wohlklingenden Parolen über Frieden, Dialog und kulturellen Austausch versuchen sie, durch 'Kunst' Legitimität und symbolische Normalisierung zu erlangen. Die Biennale muss neu gestaltet werden.“