Serbien: Übergriffe bei Kommunalwahlen
Bei Kommunalwahlen in zehn kleineren serbischen Gemeinden ist es am Sonntag zu teils massiven Behinderungen und Übergriffen gekommen. Kommentatoren sehen darin ein Barometer dafür, wie sehr Präsident Aleksandar Vučić um seine Macht bangt und wie lebendig die vor anderthalb Jahren entstandene Protestbewegung noch ist.
Einschüchterung und Chaos
Dass schon bei relativ kleinen Wahlen zu solchen Einschüchterungsmaßnahmen gegriffen wurde, erschreckt Večernji list:
„Angriffe auf Journalisten, eingeschlagene Schädel, Herumgefuchtel mit Pistolen, Massenschlägereien, Märsche der berüchtigten Roten Barette [aufgelöste Paramilitäreinheit], bewaffnete Schläger, Einschüchterung und Drohungen, das Verprügeln von Bürgern, das Ankarren von Gruppen von Wählern, zig Verstöße gegen das Wahlprozedere – mit einem Wort: Chaos. ... Diese Wahlen waren der bisher größte Test für das Regime von Aleksandar Vučić seit dem Aufstand nach dem tragischen Einsturz der Überdachung in Novi Sad. Wenn schon bei Kommunalwahlen solches Chaos verursacht wird, stellt sich die Frage, was alles bei den Parlamentswahlen geschehen wird.“
Der Widerstand lebt und wird siegen
Die Proteste gegen die Regierung werden bald konkrete Ergebnisse zeigen, meint Vreme:
„Die Bürgerinnen und Bürger, die heute bis aufs Blut die Wahlergebnisse verteidigt haben, haben die Moral aller gestärkt, die in den letzten Monaten etwas entmutigt waren. Die Studentenbewegung erntet nun – nach anderthalb Jahren Demonstrationen und dem Leid von Verhaftungen und Prügel – die Früchte ihrer Arbeit. Und wir wissen, dass sie mit dieser Arbeit erst angefangen haben und dass die Ergebnisse noch besser werden. Nach dem heutigen Tag, dem 29. März, begeben wir uns in eine neue Phase des Niedergangs des Regimes. Nichts ist mehr, wie es war. Zwar muss man nun noch stärkere Repressionen fürchten, aber dies ist nur eine Phase. Danach kann es nur noch besser werden.“