Keine neuen US-Truppen nach Polen: Was zeigt das?

Die USA haben eine geplante Truppenentsendung von 4.000 US-Soldaten nach Polen gestoppt. Der polnische Regierungschef Donald Tusk rief Washington auf, die Freundschaft mit Warschau nicht zu gefährden: "Einen besseren Verbündeten wird Amerika nirgendwo finden." Erst Anfang Mai hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den Abzug von etwa 5.000 US-Soldaten aus Deutschland angekündigt.

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Gazeta Wyborcza (PL) /

Brüssel sollte die Lücke schließen

Gazeta Wyborcza wünscht sich ein europäisches Signal:

„Man muss sich damit abfinden, dass es auf polnischem Gebiet einige Tausend Soldaten weniger geben wird. Paradoxerweise könnte dies einen gewissen Nutzen haben. ... Um die Verteidigung zu stärken, hat sich die EU als Gemeinschaft verschuldet. Nun ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun. Die USA sind zwar die wichtigste militärische Kraft der Nato, aber sicherlich nicht die einzige. Die Lücke, die durch die Aussetzung der Rotation amerikanischer Soldaten in Polen entstanden ist, durch Europäer zu schließen, wäre ein eindeutiges Signal.“

Delfi (LT) /

USA wollen ihre Risiken minimieren

Der ehemalige Politiker und Delfi-Kolumnist Egidijus Bičkauskas sieht Litauen in unangenehmer Lage:

„Hier sind nur zwei rationale Schlussfolgerungen möglich: Entweder sehen die amerikanischen Geheimdienste und die Diplomatie derzeit keine reale Gefahr von russischer Seite und halten deshalb große Truppenverbände in der Region für unnötig. Oder aber – falls sie diese Gefahr doch sehen – sind die USA schlicht nicht bereit, sich Osteuropas wegen auf einen direkten militärischen Konflikt einzulassen. Beide Szenarien sind für Vilnius gleichermaßen unbequem. ... Sie zeigen, dass sich die globale US-Strategie von der unhinterfragten Erfüllung regionaler Versprechen entfernt und stattdessen auf die Minimierung eigener Risiken konzentriert.“