Trump und Meloni – Ende einer Freundschaft?
Nach den verbalen Angriffen von Donald Trump gegen Papst Leo XIV. hat der US-Präsident auch Giorgia Meloni attackiert. Italiens Regierungschefin hatte zuvor seine harsche Kritik am Kirchenoberhaupt als "inakzeptabel" bezeichnet. Daraufhin sagte Trump: "Sie ist es, die inakzeptabel ist, weil es ihr egal ist, ob Iran eine Atomwaffe hat und Italien in zwei Minuten in die Luft sprengen würde, wenn er die Möglichkeit dazu hätte."
Klotz am Bein abgeschüttelt
Der Bruch mit Trump war absehbar, meint La Stampa:
„Die abfälligen Äußerungen von Donald Trump beenden eine persönliche Beziehung zum amerikanischen Präsidenten, die zu einer unerträglichen Belastung und einer wachsenden Gefahr für ihre Zustimmungswerte geworden war. Dies kommt nicht überraschend. Wahrscheinlich hatte die Premierministerin diese Art von Reaktion bereits zwei Tage zuvor einkalkuliert und hielt es letztlich für vorteilhafter – für sich selbst, für ihre Partei und für das gesamte Mitte-Rechts-Lager – die Erklärung zur Verteidigung der moralischen Autorität von Papst Leo zu veröffentlichen und einen Schlussstrich unter die Beziehungen zum Weißen Haus zu ziehen. Der Bruch kam plötzlich, hatte sich aber schon lange angebahnt – zumindest auf Seiten Roms.“
Willkommen im Klub
Für La Vanguardia geht Italiens Regierungschefin in Richtung Unabhängigkeit:
„Meloni hat gestern ein Verteidigungsabkommen mit Israel aufgekündigt und sich danach hinter Papst Leo XIV. gestellt. ... Die italienische Regierungschefin verwandelte sich für einige Stunden in einen Pedro Sánchez. ... Willkommen im Klub. ... Auffällig war, dass sich die übrigen politischen Parteien geschlossen hinter sie stellten. ... Der Papst brachte es treffend auf den Punkt, als er seine übliche Vorsicht beiseite legte, um seine Ablehnung des Krieges auszudrücken und zu bekräftigen, er habe 'keine Angst vor der Trump-Regierung'. Offenbar hat auch Meloni keine Angst, weshalb sie ihren Kurs geändert hat.“
Kurswechsel zugunsten eines vereinten Europas?
Meloni muss sich nun entscheiden, betont La Repubblica:
„Melonis Gewicht ist in Europa binnen 48 Stunden dramatisch gesunken, und zwar aufgrund zweier Faktoren. ... Zum einen haben Orbáns Niederlage und der Streit mit Trump Brüssel den Grund genommen, hin und wieder nach Rom zu blicken und zu denken: 'Giorgia, sprich du mit ihm.' Zum anderen schwächen die Niederlage beim Referendum und das nahende Ende der Legislaturperiode die andere Säule von Melonis Glaubwürdigkeit, nämlich die Stabilität der Regierung. Es bliebe ein alternativer Weg, eine Vision, in der sich die Interessen der Regierungschefin und das nationale Interesse treffen könnten: ein echter Kurswechsel zugunsten eines vereinten Europas, indem man die unzeitgemäße Verteidigung des Vetorechts aufgibt und Rom wieder dorthin stellt, wo es immer war - an die Spitze des Integrationsprozesses.“