USA blockieren Straße von Hormus
Nach den vorerst gescheiterten Friedensverhandlungen mit dem Iran hat das US-Militär damit begonnen, die Straße von Hormus zu blockieren. Nach eigenen Angaben habe man in den ersten 24 Stunden sechs aus dem Iran kommende Handelsschiffe zum Umkehren gezwungen. US-Präsident Trump will mit der Seeblockade unter anderem verhindern, dass für eine Durchfahrt gezahlte Gebühren in die Hände des Regimes in Teheran fallen. Welche Folgen drohen?
Globalisierung in ihren Grundfesten erschüttert
Die internationale Ordnung ist in Gefahr, schreibt El País:
„Spaniens Nationales Statistikinstitut (INE) bestätigte gestern, dass die Inflation im März auf 3,4 Prozent gestiegen und damit höher ist als ursprünglich prognostiziert. … Die Zahlen machen die Schäden des Iran-Kriegs deutlich. … Doch sie spiegeln nicht die – vielleicht endgültigen – Auswirkungen des Konflikts auf die Weltordnung wider. Geopolitische Spannungen haben die ohnehin schwache internationale Zusammenarbeit infrage gestellt, und die Blockade der Straße von Hormus droht das Recht auf friedliche Durchfahrt zu beenden – jenes Prinzip, das 90 Prozent des Welthandels ermöglicht und das Fundament der Globalisierung bildet. Hier werden die Folgen der willkürlichen Zerstörung der Säulen der multilateralen Architektur am deutlichsten sichtbar.“
Konfrontation mit Peking wird wahrscheinlicher
The Times mahnt:
„Sollten die amerikanischen Streitkräfte im Zuge der Blockade beginnen, Tankschiffe zu entern, die zwar unter falscher Flagge fahren, aber chinesische Besatzung haben, sich in chinesischem Besitz befinden und nach China unterwegs sind, dann ist eine sich verschärfende Konfrontation mit Peking weitaus wahrscheinlicher als eine Zusammenarbeit der beiden Großmächte am Golf. Die Gefahr einer bewaffneten Konfrontation ist real. China will den Iran als stabilen Öllieferanten. Und Peking definiert Stabilität als ein gefügiges Regime, das in der Lage ist, internen oder externen Herausforderungen seitens der USA standzuhalten.“
Trumps Sorge um die Dollar-Vorherrschaft
Trump wird auch von Angst um die Rolle der US-Währung getrieben, vermutet Corriere della Sera:
„Mit jedem Tag, der verstreicht, scheint es beim Krieg am Golf nicht nur um den Ölfluss oder die Zukunft des Regimes in Teheran zu gehen, sondern vor allem um den Dollar – insbesondere um dessen unangefochtene Rolle als Leitwährung im internationalen Zahlungsverkehr. ... Doch der Ausgang des Krieges und die daraus resultierende Ordnung können die Vorherrschaft der amerikanischen Währung untergraben. ... Das Regime in Teheran hat die Gebühr [für die Passage der Frachter] so konzipiert, dass sie eine Herausforderung für den Dollar darstellt: Zahlungen werden – oder wurden – in digitalen chinesischen Yuan oder in Bitcoin akzeptiert. Nicht jedoch in Stablecoins, denen Dollarreserven entsprechen.“