US-Präsident wettert gegen Papst Leo XIV.

Zum ersten Mal in der Geschichte ist ein Papst von einem US-Präsidenten verbal angegriffen worden. Donald Trump schrieb in den Sozialen Medien, Papst Leo XIV. sei "schrecklich in Außenpolitik" und schade der Kirche. Der Pontifex hatte die Politik Trumps wiederholt indirekt kritisiert, angefangen von der Migrationspolitik bis hin zum Iran-Krieg. Auf Trumps Kritik erwiderte der Papst, er verkünde die Botschaft des Evangeliums.

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Tages-Anzeiger (CH) /

Im Namen der Religion

Für den Tages-Anzeiger ist die Haltung des Papstes völlig nachvollziehbar:

„Die Vatikandiplomatie agiert normalerweise sehr zurückhaltend, um sich Spielräume zu bewahren. Man will sich bewusst nicht in die Tagespolitik hineinziehen lassen und ist stolz darauf, als 'Soft Power' und mit einem der grössten diplomatischen Netzwerke hinter den Kulissen Einfluss nehmen zu können. Doch diese diplomatische Zurückhaltung hat der Vatikan jetzt aufgegeben. Und das ist gut so. Wer, wenn nicht der Papst, muss aufstehen gegen Krieg und Zerstörung – und erst recht, wenn das im Namen der Religion geschieht?“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Wo Trump auch ein bisschen Recht hat

Auch der Papst hat keine privilegierten Erkenntnisse im Bereich des Politischen, gibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu bedenken:

„Man erinnert sich an politisch unbedarfte heilige Worte. Die Kapitalismuskritik mancher Lehräußerungen beispielsweise war keinesfalls immer auf der Höhe einer differenzierten Reflexion, um es freundlich zu sagen. Auch wo die kirchliche Lehre zu Krieg und Frieden politisch auf eine pazifistische Position festgelegt wird, wie es bei Leo mitunter den Anschein hat, bleiben die kirchlich entwickelten Kriterien vom gerechten und ungerechten Krieg unerwähnt. Vielleicht ist das ja auch der Einfall hinter Trumps Ausfall.“

News247 (GR) /

Cleveres Marketing oder psychische Störung?

Das Verhalten von Präsident Trump lässt den Journalisten Kostas Giannakidis auf News247 an dessen geistiger Gesundheit zweifeln:

„Trump war nach Heinrich VIII. der erste westliche Staatschef, der sich mit dem Papst anlegte. ... Anschließend veröffentlichte er ein Bild, auf dem er als Jesus zu sehen ist. ... Trump hat sich bereits als Papst, Superman, Uncle Sam, Rambo, Rocky, Captain America, Jedi aus Star Wars, Moses, Wikinger, Kampfpilot, Astronaut und Wanderer in Grönland in Begleitung eines Pinguins präsentiert. ... Ist das ein Zeichen einer tiefgreifenden narzisstischen Störung oder eines fortgeschrittenen Marketings? Ich fürchte, beides ist wahr. ... Das ist einer dieser Fälle, in denen man ihm die Autoschlüssel wegnehmen und eine App auf seinem Handy installieren würde, um seine Bewegungen zu überwachen. Und doch ist er Präsident der USA.“

La Stampa (IT) /

Halbgott gegen Pontifex

Nach Meinung von La Stampa hat Trump wieder einmal den Bogen überspannt:

„Er hat nicht bedacht, dass der Vatikan kein Raum voller jubelnder Fans ist: Ihm gegenüber steht eine Institution, die seit Jahrtausenden in einem Bereich lebt, in dem Macht einem Urteil unterworfen ist. Und, um es mit Papst Leo zu sagen, die Position der Kirche zum Krieg ist nicht das Ergebnis einer 'Debatte', sondern die Bekräftigung eines ethischen und moralischen Urteils über die Realität. Und doch muss man den schillernden Präsidenten auch verstehen: Inzwischen glaubt er, sowohl die irdische als auch die überirdische Welt regieren zu können, so sehr ist er daran gewöhnt, von den fanatischen evangelikalen Predigern, mit denen er sich regelmäßig umgibt, wie ein Halbgott behandelt zu werden.“

Avvenire (IT) /

Offensichtliches kognitives Defizit

Avvenire ist empört:

„Der vulgäre Angriff des amerikanischen Präsidenten ist nicht nur ein unbeherrschter politischer Akt: Er offenbart – mehr noch – ein kognitives Defizit. Eine Schwierigkeit, die Bedeutung der Worte des Papstes zu verstehen, wenn er daran erinnert, dass 'die Zukunft den Männern und Frauen des Friedens gehört' oder wiederholt, dass 'die Gewalt niemals das letzte Wort haben wird'. Leo schlägt keine Strategien vor, er geht nicht auf die Details der Außenpolitik ein. ... In den vergangenen zehn Tagen, von Ostern bis gestern, hat Papst Leo lediglich wiederholt, dass zu viele Menschen sterben. Zu viele Kinder, zu viele Unschuldige. Deshalb müssen wir 'den Krieg beenden'. Dies ist kein alternatives politisches Programm. Es geht nicht um Gegenmacht, sondern um einen moralischen und spirituellen Diskurs, um schlichte Menschlichkeit.“

The Times (GB) /

Kirchenoberhaupt verkennt die Tatsachen

Der Papst sollte sich mit Kritik am Iran-Krieg zurückhalten, findet The Times:

„Diesen Krieg als ungerechtfertigte Aggression darzustellen, ist eine moralische Umkehrung. Der Papst blendet damit die gezielte und massenhafte Tötung Unschuldiger durch das iranische Regime aus. Es ist ein Regime, das Anfang dieses Jahres mutmaßlich rund 40.000 unschuldige Demonstranten ermordet hat und seit 47 Jahren mittels tödlicher Terroranschläge Krieg gegen Amerika und den Westen führt. Sowohl den USA als auch Israel zufolge stand es zudem nur noch wenige Monate oder vielleicht Wochen davor, eine Atombombe zu entwickeln. Es ist eines der bösartigsten Regime der Welt und stellt eine akute und ernsthafte Bedrohung für Unschuldige dar.“