Nach Erdbeben: Wer hilft den Venezolanern?
Zwei verheerende Erdbeben haben vergangene Woche Venezuela heimgesucht und mehr als 1.400 Todesopfer sowie zehntausende Verletzte, Vermisste und Obdachlose verursacht. Ganze Straßenzüge brachen zusammen. Rettungskräfte aus dem In- und Ausland setzen die Suche nach Überlebenden fort. Kommentatoren sehen mehr als nur spontane Hilfsbereitschaft.
Aus Feindschaft könnte Dankbarkeit werden
Dass die Trump-Regierung rasch und umfassend unterstützt, lobt The Times:
„Die Schweiz reagierte wie so oft am schnellsten. Auch andere europäische Staaten haben große Summen zugesagt. Aus Großbritannien kommen zwei Millionen Pfund [rund 2,3 Millionen Euro]. Lateinamerikanische Nachbarländer haben trotz politischer Spannungen ebenfalls Hilfe zugesagt. Der wichtigste Geber – politisch, wirtschaftlich und symbolisch – sind jedoch die Vereinigten Staaten. Die Trump-Regierung sieht die Chance, ihre Rolle in einem Land, das sie so lange angeprangert hat, neu zu definieren: kooperativ, großzügig und als Ersatz für die einstigen falschen Freunde China, Russland und Kuba. Sollte die Hilfe schnell fließen, könnte aus Feindschaft sogar Dankbarkeit werden.“
USA betrachten Venezuela als eigenes Territorium
Die Süddeutsche Zeitung beurteilt die umfangreiche US-Hilfe vor dem Hintergrund der Militärintervention im Januar:
„Vor gut einem halben Jahr noch hat das Südkommando des US-Militärs Venezuela belagert, um den Sturz des damals amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro zu erreichen. Jetzt schickt das Südkommando Kriegsschiffe, Kampfhubschrauber und einen Generalmajor, um Maduros frühere Stellvertreterin und Nachfolgerin Delcy Rodríguez zu unterstützen. ... So bleiben zwei Erkenntnisse aus dieser Katastrophe: Die Regierung in Caracas ist nicht nur ein Regime von Gnaden der USA. ... Die USA ihrerseits sehen Venezuela inzwischen offenbar als eigenes Territorium an. Wie sonst lässt sich erklären, dass sie nicht nur zivile Helfer, sondern gleich ihr Militär in diesem Umfang schicken.“
Die Unterdrücker versagen als Helfer
Das venezolanische Regime zeigt sich nur gegen sein Volk stark, klagt die Journalistin und Fotografin Saraï Suarez in Libération:
„Angesichts der klaffenden Leerstelle einer blinden Regierung wurde die venezolanische Diaspora zum wirklichen Notfallministerium. Tausende Kilometer entfernt laufen die sozialen Netzwerke heiß. Exil-Venezolaner schicken Gesichter von Vermissten herum, teilen Patientenlisten. … Jahrelang haben wir übermäßig ausgestattete Militärhorden in Kolonnen losfahren sehen, um Dissidenten zu unterdrücken. ... Wo sind sie hin? Wo sind die Wasserwerfer, die Panzer, die aufgeblähten Truppen, wenn es darum geht, Steine anzuheben, statt Leben zu zerstören? Ihr Fernbleiben ist ein Geständnis. Das Regime ist nur gegen sein Volk gerüstet, nie für es.“