Russischer Onlinehandel im Fadenkreuz der Ukraine

Bei ukrainischen Drohnenangriffen auf zwei Logistikzentren der russischen Onlinehandelskette Wildberries sind am Samstag acht Menschen gestorben. Ein Großlager in Elektrostal bei Moskau brannte komplett ab. In der Nacht auf Montag folgte ein Angriff auf einen weiteren Lagerkomplex des Unternehmens im Umland der russischen Hauptstadt. Die Medien erörtern die Frage, ob solche Attacken im Krieg legitim sind.

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NV (UA) /

Beim Aggressor muss es brennen

Blogger Serhij Misjura weist in einem von NV übernommenen Facebook-Post den Vorwurf zurück, Angriffe auf Logistikzentren des russischen Onlinehandels seien unmoralisch:

„Solche Gedanken sollte man im Keim ersticken. ... Russland führt einen gezielten Krieg gegen die ukrainische Wirtschaft. Zwischen 2022 bis 2026 haben die Besatzer Hunderte zivile Lagerhäuser, Sortierzentren und Logistikknoten führender ukrainischer Unternehmen zerstört oder schwer beschädigt. Das Ausmaß der Schäden an der zivilen Infrastruktur ist enorm. … Das Schandland muss brennen und nicht eine symmetrische, sondern eine um ein Vielfaches stärkere Antwort erhalten! Nur einen solchen Ansatz versteht und merkt man sich dort.“

Kirill Martynow (RU) /

Wildberries ist keine rein zivile Handelskette

Kirill Martynow, Chefredakteur der Nowaja Gazeta Ewropa, betont auf Facebook, dass russische Onlinegroßhändler Dual-Use-Güter verkaufen:

„Wildberries vertreibt in großem Umfang militärische Ausrüstung, darunter Schutzwesten und Überwachungstechnik. … Russische Online-Marktplätze, darunter Wildberries, liefern aktiv Komponenten für Drohnen an die Front, also für tödliche Waffen, die unter anderem zur Bekämpfung ziviler Ziele in der Ukraine eingesetzt werden. ... Der Angriff auf die Umschlagknoten im Großraum Moskau und in der Region Tambow erfolgte wahrscheinlich im Rahmen der [im Völkerrecht festgelegten] 'Gesetze und Gebräuche des Krieges': Die Zerstörung von Lagern mit doppeltem Verwendungszweck schwächt das Potenzial der russischen Aggression.“

Andrey Pivovarov (RU) /

Die Zeche zahlen einfache Menschen

Oppositionspolitiker Andrey Piwowarow richtet auf Facebook das Augenmerk auf die eigentlichen Leidtragenden derartiger Angriffe:

„Der Staat, der für Sicherheit sorgen sollte, übernimmt keine Verantwortung. Die Großunternehmen wahrscheinlich ebenfalls nicht: Ihr Schaden wird von der Versicherung gedeckt, und bei Bedarf helfen ihnen Subventionen. Die Kosten bleiben höchstwahrscheinlich bei den Kleinunternehmern hängen. Denn sie sind es, die ihre Waren verlieren, in den Ruin getrieben werden und keine Entschädigung einfordern können. Letztendlich ist das Schema einfach: Der Staat beginnt einen Krieg, die Großunternehmen verdienen daran, und die einfachen Menschen zahlen für die Folgen.“