Grönland: USA und Dänemark beschließen Abkommen
Im Grönland-Streit haben Dänemark und die USA eine Einigung gefunden. Am Freitag soll ein Abkommen unterzeichnet werden. Laut Informationen der BBC soll es Nicht-Nato-Staaten verbieten, Militärbasen in Grönland zu errichten und Investitionen auf der Insel untersagen, die die USA gefährden könnten. Ein Anschluss an die USA ist offenbar vom Tisch. Kopenhagen und Washington zeigten sich beide zufrieden – zu Recht?
Das bestmögliche Ergebnis für alle
Jyllands-Posten klatscht Beifall:
„Nach Jahren voller spannungsgeladener Dramatik, Wortgefechte und diplomatischer Bemühungen hinter den Kulissen ist nun ein Abkommen zustande gekommen, das dem Abkommen, das die USA seit 1951 mit dem Königreich Dänemark haben, zum Verwechseln ähnlich sieht. ... Solange Trumps Regierung das Ruder in der Hand hat, kann sich niemand in Sicherheit wiegen. Aber alles deutet darauf hin, dass das Abkommen über die Sicherheit Grönlands das bestmögliche ist – für alle Beteiligten.“
Anpassung an eine veränderte Welt
Die USA brauchten kein neues Abkommen, nur um Truppen in Grönland zu stationieren, betont Proto Thema:
„ Dieses Recht hatten sie bereits seit Jahrzehnten. ... Die Frage, wie die USA Grönland zur Verteidigung des Nordatlantiks nutzen können, beantwortete das Abkommen von 1951. Das neue Abkommen versucht, auch eine zweite Frage zu beantworten: Wie kann sichergestellt werden, dass nicht auch China, Russland oder eine andere konkurrierende Macht in Zukunft einen strategischen Stützpunkt auf der Insel erlangt? ... Insofern handelt es sich um eine Anpassung und Erweiterung des Abkommens von 1951 an eine veränderte Welt: an das Zeitalter des Wettbewerbs zwischen den USA, China und Russland, des [US-Raketenabwehrprojekts] 'Golden Dome', der kritischen Rohstoffe und einer Arktis, die zunehmend an militärischer und wirtschaftlicher Bedeutung gewinnt.“
Trump den Sieger spielen lassen
Die EU hat geschickt manövriert, betont Le Soir:
„Vielleicht liegt Europas wahre Stärke darin, Trump zu besiegen, ohne ihn verlieren zu lassen. Mehrere Länder entsandten Truppen nach Grönland, die EU investiert dort 200 Millionen Euro und die Verhandlungen wurden fern der Medien fortgesetzt. Es brauchte nur noch einen ausreichend glanzvollen Abgang für den US-Präsidenten. ... Die Methode ist geschickt, aber auch beunruhigend. Westliche Diplomaten verbringen Monate damit, Krisen zu beheben, die ihr wichtigster Verbündeter ausgelöst hat, und diesen dann davon zu überzeugen, dass er daraus als Sieger hervorgeht. Das Grönland-Abkommen mag wie ein Triumph der Vernunft klingen. Vor allem aber bestätigt es diese seltsame Regel der Trump-Diplomatie: Um das Wesentliche zu retten, muss man Donald Trump die Siegererzählung überlassen.“
Standfestigkeit zahlt sich aus
Trumps Drohungen führten zu erfreulichen Effekten auf europäischer Seite, resümiert die taz:
„Angesichts der Bedrohung von außen sah sich Dänemark gezwungen, einen Gang zuzulegen bei den Bemühungen um ein besseres Verhältnis zur ehemaligen Kolonie. ... Was Nuuk und Kopenhagen gemeinsam gezeigt haben: Es zahlt sich aus, sich von einem anscheinend übermächtigen Gegenspieler nicht einschüchtern zu lassen. Die konsequente Standfestigkeit gegenüber Trump könnte, das wäre ein weiterer positiver Nebeneffekt, anderen Mobbingopfern als Vorbild dienen.“