Der Nahostkonflikt und die Kunst

In Portugal haben mehrere Comedians ihre Teilnahme an einem Comedy-Festival abgesagt, bei dem Jerry Seinfeld als Headliner auftritt. Einige gaben an, dies aus Protest gegen Seinfelds pro-israelische Haltung zu tun. In den USA wurde der Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Ed Sheerans Tour gestrichen, weil er auf der Bühne pro-palästinische Bemerkungen hatte fallen lassen. Portugals Presse nimmt dies zum Anlass, um über Kunst- und Meinungsfreiheit zu debattieren.

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Expresso (PT) /

Zwei unterschiedlich gelagerte Fälle

Dass portugiesische Komiker ihren Auftritt wegen Seinfeld absagen, hat nicht den gleichen Stellenwert wie der Fall Macklemore, schreibt der Kolumnist Luís Aguiar-Conraria in Expresso:

„Im Fall von Portugal fällt es mir schwer, diese ganze Tränenorgie nachzuvollziehen. Ich bin anderer Meinung, ich finde es dumm, dass sie [die Komiker] aussteigen, aber ich muss anerkennen, dass niemand Seinfeld abgesagt hat. Sie machen von ihrer Freiheit Gebrauch. ... Wenn ein Veranstalter die Teilnahme eines Künstlers aus politischen Gründen absagt, ist das problematischer. Er nutzt seine wirtschaftliche Macht – in diesem Fall die Tatsache, dass er Eigentümer des Stadions ist, in dem eine der Vorstellungen stattfinden sollte –, um jemanden am Auftreten zu hindern. Ich sehe dafür keinen anderen Begriff als Zensur.“

Público (PT) /

Wir brauchen Freiräume gegen die Polarisierung

Nur wenn es Räume gibt, in denen Menschen miteinander reden, kann die Polarisierung in der Gesellschaft überwunden werden, schreibt Público-Redakteur João Miguel Tavares:

„Daher ist es wichtig, diese Freiräume für politisches Engagement mit allen Mitteln zu bewahren. In dieser Hinsicht würde ich sagen, dass es zwei Regeln zu beachten gilt. Erste Regel: Auf individueller Ebene hat der Künstler das uneingeschränkte Recht, zu sagen, was er möchte. Seinfeld darf sich für Israel einsetzen, Macklemore darf sich für Palästina einsetzen, und beide sollten in Ruhe gelassen werden (auch wenn sie natürlich für das, was sie sagen, kritisiert werden können). … Zweite Regel: Auf institutioneller Ebene müssen kulturelle und sportliche Veranstaltungen – außer in absolut außergewöhnlichen Fällen – darauf achten, die Politik außen vor zu lassen.“