Was steckt hinter den Drohnenangriffen in Europa?

Vorfälle mit Drohnen scheinen sich in Europa zu häufen: Am Sonntag wurde ein Zug auf dem Weg von Kyjiw nach Warschau angegriffen, Nato-Kampfjets schossen eine Drohne ab, die in den litauischen Luftraum eingedrungen war, und am Flughafen Leipzig/Halle wurde eine Drohne mit Sprengstoff gefunden und entschärft. Kommentatoren beleuchten Hintergründe und regionale Betroffenheiten.

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La Stampa (IT) /

Korridor zum Atlantik im Visier

Russland provoziert weiter und verfolgt dabei klare Ziele, meint La Stampa:

„Eine Drohne am Himmel über Litauen, zwei Leuchtraketen gegen einen dänischen Hubschrauber und vor allem heftige Drohungen gegen Polen: Das Russland unter Wladimir Putin verstärkt seine militärischen Provokationen gegen Nordeuropa, um die Nato unter Druck zu setzen, und eröffnet damit eine zweite Krisenfront, die zum Krieg in der Ukraine hinzukommt. Während der Angriff auf Kyjiw im Jahr 2022 den Willen des Kremls offenbart hat, Odessa zu erobern, um wieder die Herrschaft über das Schwarze Meer – das Tor zu den südlichen Meeren – zu erlangen, zeigen die aktuellen Ereignisse in Nordeuropa, dass nun die Ostsee, der Korridor zum Atlantik, ganz oben auf der Agenda des Kremls steht.“

El Mundo (ES) /

Druck auf EU steigt

El Mundo betont die Notwendigkeit für Europa, auf wirksame Verteidigung zu setzen:

„Der Ostseeraum ist der ideale Schauplatz. ... Grenzüberschreitende Drohnenflüge, elektronische Störmaßnahmen, Bedrohung der Unterwasserinfrastruktur, Zwischenfälle zur See, Aktionen mit unklarer Urheberschaft. ... So werden Reaktionszeiten und politische Spaltung bei vergleichsweise geringem Aufwand ausgelotet. In der Gesamtschau ergibt sie das Bild einer Strategie, die dauerhaften Druck auf Europa ausüben soll. ... Die EU ist wirtschaftlich und technologisch stark genug, um Moskau von einer weiteren hybriden Eskalation abzuhalten. Dieses Potenzial muss aber in wirksame Verteidigungsfähigkeit umgemünzt werden, und dazu sind politischer Willen und solide Investitionen in die Sicherheit nötig.“

Newsweek Polska (PL) /

Russland weder unter- noch überschätzen

Moskau hat Gründe, auf Spaltung zu setzen, erklärt Newsweek Polska:

„Russland ist militärisch ein starker Staat – in Hinblick auf die Menge an Ausrüstung und Soldaten, nicht auf die Qualität des Geräts oder die Ausbildung des Personals. Russland ist allerdings nicht stärker als der gesamte europäische Teil der Nato. Der größte Fehler wäre deshalb, Russland zu unterschätzen oder zu überschätzen. Ersteres kann zu einem Krieg führen. Letzteres führt schon vor dessen Beginn zu einer Politik der Kapitulation. Und genau darauf setzt der Kreml, wenn er die Nato bedroht, seine Terroristen losschickt und Trollfarmen in den Kampf schickt. ... In Moskau weiß man sehr genau, dass Russland gegen ein geeintes Europa keine Chance hat, einen Konflikt zu gewinnen.“