Wadephul trifft Lawrow: War das Gespräch angebracht?
Am Rande der UN-Generalversammlung haben sich am Samstag die Außenminister Deutschlands und Russlands zum ersten Mal seit Januar 2022 wieder persönlich getroffen. Eine Annäherung der Positionen gab es bei dem 20-minütigen Gespräch zwischen Johann Wadephul und Sergej Lawrow allerdings offenbar nicht. Die Medien erörtern, wie es um die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des Ukrainekriegs steht.
Zum völlig falschen Zeitpunkt
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung kann rückblickend keine Gründe für das Treffen erkennen:
„Keine positiven Ergebnisse, keine Verhandlungsbereitschaft, nicht einmal von Zugeständnissen nach Art des früheren, von der Türkei vermittelten Getreide-Deals ist die Rede. Nur Lawrow hat etwas bekommen: Shakehandfotos und die Gelegenheit, Deutschlands Chefdiplomaten zu verhöhnen. ... Zu 'irgendeinem Zeitpunkt' müsse man ja miteinander reden, machte Wadephul geltend. Aber ausgerechnet jetzt, da man richtigerweise Moskau als Urheber gefährlicher Anschlagsversuche benannt hat? Das ist nicht irgendein Zeitpunkt, sondern der falsche.“
Deutschland muss sich einen Platz sichern
Trotz fehlender Ergebnisse war das Treffen kein Fehler, schreibt die Süddeutsche Zeitung:
„Schließlich hat es vorgeführt, dass Moskau nicht verhandeln will. Wer in Deutschland mehr Gespräche mit Russland fordert, hat nun den Beweis dafür. Das sollte endlich auch bei der AfD ankommen: Russland nutzt jede ausgestreckte Hand als Bühne, um den Westen gespalten und schwach aussehen zu lassen. ... Im Weißen Haus sitzt mit Donald Trump ein Präsident, der beim Blick auf Russland ein 'sehr wertvolles Land' sieht, das 'großartig fürs Geschäft' wäre. Deutschland muss sich zwischen Washington und Moskau einen Platz am Verhandlungstisch sichern. Zwanzig Minuten können dafür ein Anfang sein, mehr nicht.“
Treibstoffmarkt wird zum Schlüsselmoment
Radio Kommersant FM beurteilt die Gespräche zum Ukrainekrieg am Rande der UN-Generalversammlung insgesamt:
„Möglicherweise gibt es gewisse Fortschritte, doch die Beteiligten ziehen es vor, ihre Karten nicht vorzeitig auf den Tisch zu legen. ... Das Thema eines Energiewaffenstillstands steht weiterhin auf der Tagesordnung. Es ist kein Geheimnis, dass Donald Trump offen daran interessiert ist, da er eine Stabilisierung der Weltmarktpreise sowohl für Erdöl als auch für Diesel anstrebt. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass dieser Faktor den Druck sowohl auf Moskau als auch auf Kyjiw erheblich verstärkt. Zumal der US-Präsident nun mit den 'höllischen Sanktionen' – dem 'Graham-Sanktionsgesetz gegen Russland und Iran' – einen Trumpf in der Hand hat, den er jederzeit ziehen kann. “