Papstbesuch: Seelenmassage für Frankreich?
Vom 25. bis 28. September besucht Papst Leo XIV. Frankreich. Die Reise führte ihn nach Paris, den Wallfahrtsort Lourdes und Metz. Neben großen Gottesdiensten mit Hunderttausenden Besuchern stehen Gespräche über Missbrauch in der Kirche und eine Botschaft zur europäischen Einigung auf dem Programm. Europäische Medien zeichnen ein positives Bild des Besuchs.
Vorbild für Politiker
Der Besuch des Pontifex war eine Wohltat für Frankreich, freut sich La Tribune:
„Die auf den Champs-Élysées vereinte Menschenmenge veranschaulicht Wirkung und emotionale Kraft dieses Papstbesuchs. Dass ein Papst, der sich für Frieden, Flüchtlinge und die Vergessenen des Kapitalismus einsetzt, Hoffnung weckt, ist ein Grund zur Freude. Er präsentiert sich in einer Zeit, in der Tech-Zauberlehrlinge und Kriegstreiber das bedrohen, was die Würde und Größe der Menschheit ausmacht. Leo XIV. wird es vielleicht nicht gelingen, die fortschreitende Säkularisierung in Frankreich zu bremsen, doch hat er dazu beigetragen, unser Land menschlicher zu machen. ... Wenn die Präsidentschaftskandidaten sich für diesen Aspekt der päpstlichen Botschaft empfänglich zeigen, war Leos Reise nicht nutzlos.“
Der Pontifex trifft den richtigen Ton
Mit seiner Botschaft von Frieden, Diplomatie und gesellschaftlicher Teilhabe stößt der Papst auch im säkularen Frankreich auf große Resonanz, lobt The Irish Times:
„Nur wenige Tage nach der UN-Generalversammlung griff er wichtige Themen der dortigen Debatten wieder auf: Er bekräftigte das Bekenntnis zum Multilateralismus sowie zur Friedensstiftung durch Diplomatie und betonte erneut die seit langem bestehende Ablehnung von Atomwaffen durch den Vatikan. ... Trotz des säkularen Ethos und des Aufstiegs der französischen Rechtsextremen fand die Botschaft des Papstes von Frieden und Inklusion sowie seine Verknüpfung der kirchlichen Lehre mit aktuellen Ereignissen und Themen – darunter auch KI – bei einem großen Teil der französischen Öffentlichkeit eindeutig großen Anklang.“
Bewusster Gang auf Schumans Spuren
Papst Leo XIV. setzt ein Zeichen für europäische Integration, schreibt Rzeczpospolita:
„In Metz wird er seine Pilgerreise durch Frankreich beenden. Robert Schuman ist mit dieser Stadt verbunden, der Außenminister, der am 9. Mai 1950 seinen Plan zum Aufbau der europäischen Gemeinschaft vorstellte. Dieses Datum gilt als Beginn der europäischen Integration. Der Papst möchte dort die Bedeutung der EU hervorheben und dem populistischen Nationalismus entgegentreten. Glaubt man den Umfragen, könnte die Kandidatin der extremen Rechten, Marine Le Pen, in sieben Monaten das Rennen um den Élysée-Palast gewinnen. ... Die Kirche hat den Seligsprechungsprozess für Schuman eingeleitet, der bei Metz lebte und dessen Asche in der nahegelegenen Wehrkirche Saint-Quentin ruht.“
Leo scheut das Thema Missbrauch nicht
Dieser Papst nimmt den Kampf gegen den Missbrauch ernst, lobt La Stampa:
„Auf den ersten Blick verlief das Treffen zwischen Leo XIV. und den Opfern von Missbrauch durch Geistliche – in diesem Fall sieben Personen – diskret, gemäß dem Protokoll. Was jedoch einen nicht unerheblichen Unterschied ausmacht, ist, dass es sich hier um Frankreich handelt, das Land, in dem auf Initiative der katholischen Kirche selbst die umfassendste unabhängige Untersuchung durchgeführt wurde, die jemals zum Thema Missbrauch stattgefunden hat und die 2021 veröffentlicht wurde.... Ein Beispiel, das von der italienischen Kirche nicht aufgegriffen wurde. Was auch durch die seinerzeitige Entscheidung von Papst Franziskus begünstigt wurde, die Autoren der französischen Untersuchung trotz ihrer ausdrücklichen Bitte nicht in Audienz zu empfangen.“