Möglicher Pestfall in Sibirien
Eine Labormitarbeiterin eines Pestforschungsinstituts im russischen Irkutsk ist möglicherweise an der Lungenpest gestorben. Mehrere Kliniken stehen daraufhin für mindestens drei Wochen unter Quarantäne. Offiziell wurden keine weiteren Infektionen registriert. Russische Behörden geben bislang nur wenige Informationen preis. Die Presse diskutiert das Infektionsrisiko und fordert mehr Klarheit.
Transparenz ist wichtigste Vorsichtsmaßnahme
Russlands Geheimhaltung rund um den Fall findet Irish Independent beunruhigend:
„Sollte sich eine Labormitarbeiterin tatsächlich beim Umgang mit dem Erreger mit der Pest infiziert haben, stellen sich naheliegende Fragen: Wie konnte es dazu kommen? Um welchen Erregerstamm handelt es sich? Welche Sicherheitsvorkehrungen haben versagt? Wurden weitere Menschen dem Erreger ausgesetzt? Diese Fragen sollten schnell und transparent beantwortet werden. Stattdessen wurden offenbar Informationen zurückgehalten und die Berichterstattung unterdrückt. Wenn es sich um einen natürlichen und unter Kontrolle befindlichen Ausbruch handelt, sollte größtmögliche Transparenz selbstverständlich sein. Als China versuchte, Covid geheim zu halten, breitete sich die Krankheit über die ganze Welt aus.“
Es fehlt an Vertrauen
Hvg steht den offiziellen Erklärungen Russlands skeptisch gegenüber:
„In Irkutsk wurden drei Allgemeinkrankenhäuser, eine Kinderklinik und eine Entbindungsklinik für mindestens drei Wochen unter Quarantäne gestellt. Laut lokalen Presseberichten dürfen auch die Fachkräfte des Instituts zur Pestforschung ihren Arbeitsplatz nicht verlassen. Es wurden jedoch keine Infektionen registriert – zumindest wird dies behauptet. Gleichzeitig wissen wir seit Tschernobyl, dass man den Aussagen der russischen Behörden nicht in jedem Fall Glauben schenken sollte. Diese Annahme wird auch dadurch verstärkt, dass Präsident Donald Trump wegen des Pestfalls die Hilfe der USA angeboten hat.“
Das Risiko einer Epidemie ist gering
Polityka beruhigt:
„Das Institut lehnt Stellungnahmen gegenüber ausländischen Medien ab. Dies schürt wahrscheinlich die Besorgnis stärker als der Vorfall selbst. Epidemiologen versichern, dass die Lungenpest zwar eine tödliche Krankheit ist, sich jedoch nicht leicht von Mensch zu Mensch überträgt und für eine Ansteckung der Kontakt mit einer großen Konzentration des Erregers erforderlich ist. Es besteht die Möglichkeit, dass – sollte es sich tatsächlich um die Pest gehandelt haben – weitere Personen erkranken. Das Risiko einer großflächigen Epidemie scheint derzeit gering, da Kontaktpersonen unter Beobachtung stehen und bislang keine weiteren Fälle festgestellt wurden.“