Rumänien: Präsident setzt auf Diplomaten als Premier

Präsident Nicușor Dan hat nach dem Sturz der Regierung von Ilie Bolojan im Mai dieses Jahres einen vierten Anlauf unternommen, eine neue Regierung zu formieren. Als Kandidat für das Amt des Premierministers nominierte er den Diplomaten Luca Niculescu, der bislang das Beitrittsverfahren Rumäniens zur OECD koordiniert hat. Die Meinungen über dessen Erfolgsaussichten gehen in den Landesmedien auseinander.

Alle Zitate öffnen/schließen
Libertatea (RO) /

Es braucht Lösungen und keinen Heldentod

Libertatea bezweifelt, dass Niculescu weit kommen wird, weil er auf die Stimmen der größten Partei angewiesen ist:

„Um gebilligt zu werden, benötigt eine Niculescu-Regierung die Stimmen der PSD-Abgeordneten. Die [sozialdemokratische] PSD wird im Gegenzug wichtige Ministerien einfordern, in denen Gelder abgezweigt werden müssen, denn in den Regionen herrscht bereits großer Hunger, der gestillt werden muss und die lokalen Mafiagruppen haben keine Geduld mehr, noch länger zu warten. … Es ist ein Spiel der Politiker ohne Moral, bei dem Personen wie Luca Niculescu nur zu verlieren und nichts zu gewinnen haben - ebenso wie die Gesellschaft, die echte Lösungen erwartet und keine Notlösungen und keine Helden, die sich opfern.“

Adevărul (RO) /

Mit Bäckertugenden überzeugen

Adevărul vergleicht die Aufgaben des Premiers mit denen der im Land erfolgreichen gleichnamigen Bäckereikette Luca:

„Ein neuer Premier ohne eigenes politisches Team wird schnell das tun müssen, was Bäcker jeden Morgen tun: um 6 Uhr die Maschinerie in Gang setzen und frische Waren auf die Theke bringen. Konkret: einen rechtzeitig verabschiedeten Haushalt für 2027 auf den Weg zu bringen, eine reibungslose Verwendung der EU-Mittel und eine Verwaltung, die nicht bei jedem Führungswechsel ins Stocken gerät. Der Erfolg der Brezel-Kette beruht nicht auf revolutionären Rezepten, sondern auf Beständigkeit: dasselbe Produkt, zur selben Zeit, zu einem vorhersehbaren Preis. Genau das braucht Rumänien: Vorsehbarkeit, keine Wunder.“