Drei Jahre nach Terrorangriff auf Israel: Was bleibt?

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff gedenkt Israel der Opfer. Am 7. Oktober 2023 waren Terroristen aus dem Gazastreifen in Israel eingefallen, hatten 1.221 Menschen ermordet und 251 als Geiseln verschleppt. Israel reagierte mit einem Krieg in dem Palästinensergebiet, der mindestens 70.000 Tote forderte. Kommentatoren ergründen, wie der Tag das Land und seine Menschen verändert hat.

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Avvenire (IT) /

Ein tiefer Riss geht durch das Land

Der 7. Oktober ist auch heute noch das alles bestimmende Thema in Israel, beobachtet Avvenire:

„Der 7. Oktober – mit seinen Spuren aus Schmerz, Gift, Frustration und Manipulationsversuchen – steht quer durch alle Lager ganz oben auf der Tagesordnung. Die beiden Lager in Israel interpretieren ihn gegensätzlich. Für die Pro-Netanjahu-Fraktion legitimiert er den Konflikt bis zum [von ihm versprochenen] 'totalen Sieg' gegen eine endlose Liste von Feinden, von der Hamas bis zum Iran. Die Kritiker hingegen haben ihn zum Symbol des Scheiterns gemacht, von dem sich der jüdische Staat befreien muss. Ein Debakel. ... Vor allem aber ein Riss im Vertrauenspakt zwischen Bürgern und Institutionen. Dieser Riss wird noch vertieft durch den Verdacht, der durch die jüngsten Enthüllungen untermauert wird, dass Netanjahu über den Plan der Hamas informiert war.“

Frankfurter Rundschau (DE) /

Kein Wille aus Fehlern zu lernen

Die Frankfurter Rundschau beklagt, dass die Aufarbeitung des Massakers nicht wirklich begonnen hat:

„Alle Versuche, eine nationale Untersuchungskommission zu bilden, werden von der Regierung Netanjahu blockiert. Dieses Vakuum an Rechenschaft bringt mit sich, dass der Überfall wie ein Naturereignis erscheint. Die, die immer schon gewusst haben wollen, dass die Welt aus guten und bösen Kulturen besteht, haben ihre simple Antwort parat: Araber schießen auf Juden, weil es in ihrer Natur liegt. Juden hingegen schießen auf Araber, um sich selbst zu schützen. In der aktuellen israelischen Regierung treibt dieses Narrativ Blüten. In einer solchen Gedankenwelt bleibt kein Platz für die Frage, wie man aus eigenen Fehlern lernen könnte.“

El País (ES) /

Sture Regierung, vergiftetes Volk

Der Menschenrechtsaktivist Meir Margalit beschreibt in El País seine Sicht auf die Situation im Land:

„Ein Teil der Bürger verharrt in Trauer, ein anderer ist von Rachegelüsten verblendet. ... Die sture Weigerung der Regierung, eine nationale Untersuchungskommission einzusetzen, die aufklären könnte, wie wir so tief sinken konnten, ist eine weiterhin offene Frage. ... Wir sind gefangen zwischen einer Regierung, die ihren Kurs nicht ändern will, einer Armee, die jeden Versuch eines Wandels sabotieren wird, und einem vergifteten Volk, dem jeglicher kritische Geist fehlt – das Ergebnis einer Gehirnwäsche von Kindesbeinen an.“

Expressen (SE) /

Palästina-Demos just an diesem Tag sind ein Hohn

In mehreren schwedischen Städten sind am Jahrestag des Hamas-Massakers Demonstrationen gegen Israel geplant. Expressen ist empört:

„Die Wahl des 7. Oktober, des Tages, an dem die Hamas 1200 Menschen ermordete, ist eine Verhöhnung der getöteten Männer, Frauen und Kinder. ... Man kann Israel aus guten Gründen kritisieren. Die Politik der Netanjahu-Regierung im Gazastreifen und im Westjordanland hat die Palästinenser ungerechtfertigt und sehr hart getroffen. Aber der Staat Israel hat Existenzrecht. Die Demonstranten, die 'Palästina vom Fluss bis zum Meer' rufen, erkennen das nicht an. ... Wer möchte, dass seine eigene Trauer respektiert wird, muss die Trauer anderer verstehen. Zum Demonstrieren bleiben 364 andere Tage im Jahr.“

De Telegraaf (NL) /

Keine Toleranz für Antisemitismus

De Telegraaf klagt, dass Proteste gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen in Antisemitismus ausarteten – auch in den Niederlanden:

„Das wird begünstigt durch schwache Politiker, die bei Gesetzen und Vorschriften nicht konsequent durchgreifen, und durch Politiker, die sich hinter Terrorsympathisanten stellen. Es ist empörend, dass keine Grenze gezogen wird. Wo ist die rote Linie der Moral? ... Antisemitismus muss jederzeit bekämpft werden, keine Entschuldigung ist legitim. Das Gleiche gilt für die Verherrlichung des Terrors. Das darf in unserer demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben. Jeder, der sich hinter die Barbarei vom 7. Oktober stellt, ist nichts Besseres als ein Hamas-Terrorist.“