Russland darf beim Eishockey wieder dabei sein

Die Wiederzulassung russischer Eishockey-Teams zu Meisterschaften sorgt für Protest: Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen kündigten an, nicht gegen russische Spieler antreten zu wollen. Die Linie sei, nicht gegen Russland zu spielen, solange der Krieg gegen die Ukraine andauere, erklärte der finnische Eishockey-Verband. Zuvor hatte der Internationale Sportgerichtshof die Blockade russischer Mannschaften aufgehoben.

Alle Zitate öffnen/schließen
Helsingin Sanomat (FI) /

Finnland läuft nicht mehr nur hinterher

Helsingin Sanomat begrüßt die entschlossene Verweigerung des finnischen Eishockeyverbands:

„Finnland war bisher immer bestrebt, auf der Welt – um es mit den Worten des ehemaligen Präsidenten Urho Kekkonen zu sagen – eher Arzt als Richter zu sein. In der Vergangenheit bedeutete dies in der Praxis: Wenn in internationalen Zusammenhängen moralische Fragen auftauchten, zu denen man Stellung hätte beziehen müssen, zog sich Finnland in den Hintergrund zurück, um zu überlegen, welchem Land man hinterherlaufen sollte und wie man dies so tun könnte, dass es niemand bemerkt. Diese Vorgehensweise war besonders deutlich, wenn man auf den östlichen Nachbarn reagieren musste. Die Entscheidung des Eishockeyverbands ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Zeiten geändert haben.“

Dagens Nyheter (SE) /

Die bessere Haltung gewählt

Dagens Nyheter begrüßt den Schritt des schwedischen Eishockey-Verbandes:

„So kann die Eishockeywelt – im Gegensatz zu so vielen anderen Sportarten – zeigen, dass sie sowohl hinter der Ukraine als auch hinter all den Ländern steht, die immer mehr und immer gewalttätigeren sogenannten russischen Hybridangriffen ausgesetzt sind. Diejenigen, die Russland wieder in die Sportwelt aufnehmen wollen, argumentieren, man müsse Sport und Politik trennen. Aber die Entscheidung, gegen Kriegsapologeten wie [den Hockeymegastar Alexander] Owetschkin anzutreten, ist genauso politisch wie die Weigerung dazu. Es ist lediglich eine andere – und schlechtere – politische Linie.“

taz, die tageszeitung (DE) /

Unpolitischer wird es dadurch nicht

Das Ziel, mit der Wiederzulassung Russlands den Sport zu entpolitisieren, wird so nicht erreicht werden können, schreibt die taz:

„Der Eishockeyverband aus Finnland, wo der Pucksport eine Art Nationalreligion darstellt, hat schon angekündigt, nicht gegen Russland antreten zu wollen. Lettischen Sportlern ist es per Gesetz verboten, gegen russische Sportler anzutreten. ... Wird das deutsche Außenministerium den russischen Superstar und bekennenden Putinfreund Alexander Owetschkin ins Land lassen? Und wird ihm im Falle eines Aufeinandertreffens ein deutscher Nationalspieler nach dem Spiel die Hand schütteln? Nein, unpolitischer wird der Sport gewiss nicht durch die Wiederzulassung von Teams aus Russland.“

Novinky.cz (CZ) /

Sport und Krieg gehen nicht zusammen

Das Urteil untergräbt den Geist des Sports, empört sich Novinky.cz:

„Die Zulassung einer russischen Mannschaft zur Meisterschaft erweckt den Eindruck, dass es in Ordnung sei, einen Krieg zu führen, den Russland heuchlerisch als militärische Sonderoperation bezeichnet. Denn selbst Moskau will nicht zugeben, dass es einen Angriffskrieg führt. Sport existiert nicht irgendwo in einem Elfenbeinturm, fernab von der Welt. Sportler leben nicht außerhalb der Realität, was vor allem ukrainische Sportler zu spüren bekommen. Russische Bomben, Drohnen und Raketen töten sie wie alle anderen und zerstören ihre Sportplätze. Wenn ukrainische Sportler den höchsten Preis für Russlands Aggression zahlen, warum sollte man Moskau dann entgegenkommen?“

Watson (CH) /

Das letzte Wort hat die Politik

Ganz so schnell wird es nicht gehen, schreibt Eishockey-Experte Klaus Zaugg bei Watson:

„Theoretisch müssten die Russen bereits zur WM 2027 in Deutschland (13. bis 30. Mai) zugelassen werden. Aber sie werden 2027 nicht dabei sein. Aus mehreren Gründen. ... Erstens hat die Politik und nicht der Sport das letzte Wort. ... Kommt dazu: Eine WM-Teilnahme ist nur möglich, wenn das Gastgeberland – in diesem Falle Deutschland – für die Spieler und Betreuer ein Einreisevisum ausstellt. ... Der politische Widerstand gegen die Ausgabe dieser Visa wird in Deutschland erheblich sein. Kein anderes europäisches Land engagiert sich so stark für die Ukraine wie Deutschland. ... Sollen die bereits gekauften Tickets für die Spiele der Ukraine nun für die Spiele der Russen gelten? Absurd.“