Cyberangriffe auf Supermärkte: Was muss Europa tun?

In mehreren europäischen Ländern wie Schweden, Belgien und Irland sind Supermärkte offenbar Ziel von Hackerattacken geworden. Kühlschränke und Tiefkühltruhen entwickelten viel zu hohe Temparaturen. Die Täter hatten sich anscheinend Zugang zu den Steuerungssystemen verschafft. Im Oktober gab es bereits ähnliche Vorfälle in französischen Geschäften.

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The Irish Times (IE) /

Hackerkrieg ums tägliche Brot

The Irish Times analysiert:

„Für diejenigen, die Unruhe stiften wollen, sind Ernährungssicherheit und die tägliche Verfügbarkeit von Lebensmitteln ein verlockendes Ziel. ... Der Einsatz Künstlicher Intelligenz beschleunigt die Suche nach Schwachstellen in Softwaresystemen erheblich. ... Natürlich haben auch diejenigen, die Systeme schützen wollen, die Möglichkeit – in vielen Fällen sogar die Notwendigkeit –, KI einzusetzen. So schreitet das Wettrüsten im Bereich der Cybersicherheit rasant voran und Unternehmen sowie Regierungen sind gefordert, darauf zu reagieren. Experten betonen, dass eine sorgfältige Planung heutzutage nicht nur darauf abzielt, möglichst viele Angriffe zu verhindern, sondern auch festlegt, wie die Organisation im Falle eines erfolgreichen Angriffs reagieren würde.“

El Periódico de Catalunya (ES) /

Wir müssen unsere Schwachstellen erkennen

El Periódico de Catalunya fordert bessere Sicherheitssysteme:

„Plötzlich erkennen wir die Verletzlichkeit des hochentwickelten Lebenssystems, mit dem wir uns ausgestattet haben. ... Wir schaffen es, Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt zu ernähren, dank des Einsatzes einer Technologie, deren Bedeutung uns erst an dem Tag bewusst wird, an dem sie ausfällt. ... Wir stehen vor der Herausforderung, dass Sicherheit heute nicht nur von Grenzkontrollen oder Polizeipatrouillen auf den Straßen abhängt. Wir müssen im Cyberspace patrouillieren, um unsere Schwachstellen zu erkennen. ... Und das bedeutet nicht, in irgendeiner Form in Verschwörungsparanoia zu verfallen. Die Gefahren sind real und die Lösung besteht nicht darin, in die Steinzeit zurückzukehren.“

Corriere della Sera (IT) /

Angst schüren ist die Strategie

Corriere della Sera warnt vor ähnlichen Aktionen in komplexeren Infrastrukturen:

„Ein Angriff, der eher auf die Psyche der Menschen abzielt als darauf, Unternehmen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen – schon allein deshalb, weil die Hacker bislang offenbar keinen materiellen Nutzen daraus gezogen haben, außer dem, in der Öffentlichkeit erneut Angst zu schüren – oder zumindest zu glauben, dazu in der Lage zu sein. Eine Einschätzung, die den Sicherheitsverantwortlichen Sorge bereitet, die bereits im Oktober aktiv geworden waren, nach der Welle von Sabotageakten an Kühl- und Lagerungssystemen für Lebensmittel in französischen Supermärkten. ... Es besteht die Befürchtung, dass sich diese Art von Aktionen bei komplexeren und wichtigeren kritischen Infrastrukturen wiederholen könnten.“

Aftonbladet (SE) /

Reaktionsfähigkeit wird getestet

Auch in Schweden waren Supermärkte von dem Cyberangriff betroffen. Aftonbladet erklärt am Beispiel von Preisen, was für eine Strategie hinter Attacken wie denen auf die Kühlung steckt:

„Auf den ersten Blick scheinen die Preisschilder im Supermarkt vielleicht kein zentraler Bestandteil des schwedischen Zivilschutzes zu sein. Doch auch kleine Störungen können große Folgen haben. In einem Hybridkrieg kann schon etwas so Einfaches wie die Unkenntnis darüber, was Lebensmittel kosten, völliges Chaos auslösen. Ein solcher Angriff kann von anderen, schwerwiegenderen Vorfällen ablenken. Die Aufdeckung der Unvorbereitetheit schwedischer Unternehmen und Behörden kann für einen feindlichen Akteur eine wirksame Propagandamethode sein. ... Zur Verteidigung gehört auch, zu wissen, was die Chipstüten bei Coop kosten. Keine fremde Macht darf sich da einmischen.“