Tödliche Gewalt an Grenze zu Gazastreifen

Bei Protesten im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen haben Soldaten auf Palästinenser geschossen und dabei mindestens 17 Menschen getötet. Vor dem Jahrestag der Staatsgründung Israels und vor der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem fürchten europäische Kommentatoren eine weitere Eskalation der Gewalt und rufen zur Mäßigung auf.

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Phileleftheros (CY) /

Im Mai könnte das Pulverfass explodieren

Damit die Lage nicht noch weiter außer Kontrolle gerät, muss man verhindern, dass die Gewalt weitere Akteure wie die schiitische Hisbollah in den Konflikt hineinzieht, warnt Phileleftheros:

„Für Israel ist die Bedrohung durch die Organisation, die im Libanon agiert, aber vom Iran unterstützt wird, angesichts der Rivalität zwischen Tel Aviv und Teheran von entscheidender Bedeutung. Der Iran macht seinerseits keinen Hehl aus seinen Absichten, verstärkt Präsenz in der Region zu zeigen. Die Situation kann leicht entgleisen. Im Mai, zum Jahrestag der Gründung des Staats Israel, werden die palästinensischen Mobilisierungen ihren Höhepunkt erreichen. Zur gleichen Zeit wird die US-Botschaft in Jerusalem eingeweiht. Sehr leicht kann die Lage außer Kontrolle geraten, da ein Funke im Nahen Osten leicht einen Brand entfachen kann.“

Financial Times (GB) /

Israel sollte sich zurückhalten

Auch in eigenem Interesse sollte die israelische Regierung auf Deeskalation setzen, rät Financial Times:

„Angesichts der gefährlichen Lage sollten UN und EU trotz der Einwände Washingtons weiter auf eine unabhängige Untersuchung der Todesfälle bei den Protesten am vergangenen Freitag drängen. Nur so kann die Wahrheit ans Licht gebracht werden in einer Region, in der alle Seiten Gerüchte als Propaganda einsetzen. Israel wiederum wäre gut beraten, Zurückhaltung zu üben. Weil es an glaubwürdiger internationaler Vermittlung fehlt, finden sich alle Zutaten für eine weitere Runde im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern. Davon hätte niemand etwas, am allerwenigsten Israel.“

NRC Handelsblad (NL) /

Bitte nicht schießen!

Wer auf Demonstranten schießt, beschwört eine Katastrophe herauf, fürchtet NRC Handelsblad:

„Israel hat natürlich das Recht, seine Grenzen zu verteidigen. Aber Israel hat auch die Pflicht, friedliche Proteste zu gestatten und darf nur im äußersten Notfall angemessene Gewalt einsetzen. Auf Demonstranten zu schießen, die keine akute Bedrohung darstellen, ist unakzeptabel. Und außerdem kontraproduktiv. Nur mit Zurückhaltung auf beiden Seiten lässt sich eine Katastrophe verhindern.“