Türkei und Libyen schließen Vertrag zu Seegrenzen

Libyen und die Türkei haben ein Militär-Abkommen geschlossen, das auch Seegrenzen neu verhandelt. Es soll laut Ankara türkische Rechte im östlichen Mittelmeer schützen, nicht zuletzt auf dort vorhandene Ressourcen wie Erdgas. Griechenland protestiert, die Grenzziehung ignoriere unter anderem den Hoheitsbereich von Kreta. Die Positionen beider Regierungen spiegeln sich in den Medien der Länder wider.

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Daily Sabah (TR) /

Nicht vom Frust anderer aufhalten lassen

Nicht überraschend sind andere Anrainerstaaten verärgert, kommentiert Daily Sabah:

„Offensichtlich blockiert der Deal ähnliche Abkommen zwischen Griechenland, Ägypten und den griechischen Zyprern. Zugleich stärkt er die juristische Position der Türkei hinsichtlich ihrer Bohrungen und seismischen Forschungsaktivitäten im östlichen Mittelmeer. Daher die heftige Reaktion aus Ägypten und Griechenland zu dem jüngsten Zug der Türkei. Ihre Frustration kann jedoch nicht die beiden maritimen Nachbarn davon abhalten, ihre Grenzen zu bestimmen.“

Liberal (GR) /

Die Zeit der Nettigkeiten ist vorbei

Athen sollte sich nicht auf die harte Rhetorik Ankaras einlassen - sich aber auch nicht weiterhin alles gefallen lassen, findet Liberal:

„In der modernen Welt gewinnen diejenigen, die Allianzen aufbauen, und nicht diejenigen, die versuchen, Reiche nach den Maßstäben des Mittelalters und des Feudalismus wiederzubeleben. Wir können nicht ausschließen, dass wir uns an einen Tisch mit der Türkei setzen, um zu diskutieren. Was wir ausschließen müssen, ist die Fortsetzung der bisherigen Politik, die nur in die heutige Sackgasse geführt hat. Die Politik der Partnerschaft und das nette Verhalten haben, wie sich herausstellte, keine Zukunft. ... In den internationalen Beziehungen wie in der Wirtschaft gibt es keine alternativen Politiken. Sie wurden getestet und sind gescheitert und haben sogar großen Schaden angerichtet.“

Phileleftheros (CY) /

Ankara arbeitet an der ‘hellblauen Heimat’

Griechenland reagiert völlig zu Recht so heftig, schreibt die Kolumnistin Xenia Tourki in Phileleftheros:

„Ankara will eine maritime Achse [zwischen Libyen und der Türkei] herstellen und 'löscht' für diese Ansprüche Kreta und die Ägäischen Inseln quasi von der Karte. Es ist ein weiterer Schritt in Richtung der ‘Hellblauen Heimat’, des Plans, einen Teil des östlichen Mittelmeers und der Ägäis zu erobern, mit der Begründung, die Inseln hätten außer der Hoheitsgewässer keinen Anspruch auf Meereszonen. Obwohl es sich um einen Vorvertrag handelt, können die Folgen schwerwiegend sein.“

Kathimerini (GR) /

Illegal - und doch wirkungsvoll

Das Abkommen untermauert Ankaras jahrelange Argumentation, erläutert Angelos Syrigos, Professor für Internationales Recht und Außenpolitik sowie Abgeordneter der Regierungspartei Nea Dimokratia, in Kathimerini:

„Nämlich, dass die Inseln nach dem Gesetz keinen Anspruch auf einen Kontinentalschelf haben. Und dazu noch würde es den Streit um den Kontinentalschelf der Kastelorizo-Insel [die aufgrund ihrer geografischen Nähe auch von der Türkei beansprucht wird] auf Kreta verlagern. Das Schlimme ist, dass ein solches Abkommen, obwohl es illegal ist, ab dem Moment der Unterzeichnung nur aufgehoben werden kann, wenn Libyen sich davon zurückzieht, oder indem beide Seiten auf die internationale Gerichtsbarkeit zurückgreifen. Letzteres wird die Türkei niemals akzeptieren. Wenn das Seegrenzen-Abkommen unterzeichnet wird, wird es Griechenland immer in die Quere kommen, so rechtswidrig es auch sein mag.“