Pandemie lähmt Tourismus

Die Reisebranche ist von der Corona-Krise besonders stark betroffen. Viele europäische Grenzen werden angesichts ansteigender Ansteckungszahlen wieder undurchlässiger. Wie lange kann man die Unternehmen und ihre Arbeitsplätze mit Kurzarbeitergeld stützen?

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Eesti Päevaleht (EE) /

Massenkündigungen nur ein Vorbote

Rund 2500 Mitarbeitern der estnische Reederei Tallink, des größten Fährunternehmens der Ostsee, droht der Jobverlust. Die Tourismusbranche fordert eine Überbrückung durch Kurzarbeiter bis Frühjahr. Eesti Päevaleht bezweifelt allerdings, dass sich die Lage bis dahin verbessert:

„Auslandstourismus ist so gut wie tot und Ostsee-Kreuzfahrten ebenso. Und statt einer zunächst erhofften allmählichen Besserung zeichnen sich in naher Zukunft noch schärfere Reisebeschränkungen ab als in diesem Sommer. Sogar die baltische Reiseblase droht zu platzen. Man braucht nicht mehr so viele Hotels, Reiseschiffe, Flugzeuge und andere Reiseunternehmen wie vor der Pandemie. ... Die Entscheidung [das Kurzarbeitergeld zu verlängern] ist schwer. Einerseits droht den Mitarbeitern der Branche Arbeitslosigkeit, andererseits kann es sein, dass sich die Lage im Frühjahr 2021 nicht viel verbessert hat.“

Diena (LV) /

EU braucht einheitliche Reiseregeln

Immer mehr EU-Länder führen aufgrund hoher Ansteckungsraten erneut Reisebeschränkungen und Rückkehrer-Quarantänen ein. Auch Lettlands Grenzen zu Litauen und Estland sollen wieder undurchlässiger werden. Dass sich die EU dabei bislang auf keine einheitlichen Kriterien geeinigt hat, hält Diena für einen großen Fehler:

„Es geht diesmal um den Wert, den die EU seit Jahrzehnten fordert: Solidarität unter den Mitgliedsstaaten. Leider hat noch im Sommer eine Kantar-Umfrage gezeigt, dass 53 Prozent der EU-Bürger mit der Solidarität zwischen den EU-Ländern während der Covid-Pandemie unzufrieden sind. Deshalb stellen sich viele die folgerichtige Frage: Wenn die Mitgliedsstaaten nicht einmal eine gemeinsame Strategie für Reisen koordinieren können, was können sie dann überhaupt in Einklang bringen?“