Kanada: Papst bittet Indigene um Verzeihung

Papst Franziskus hat die kanadischen Ureinwohner um Vergebung für Misshandlung ihrer Kinder in katholischen Internaten gebeten. Die kanadische Regierung räumte den jahrzehntelangen körperlichen Missbrauch und sexualisierte Gewalt an den Residential Schools bereits 2008 ein und versprach 2021 rund 14 Milliarden Euro für Entschädigungszahlungen an indigene Gemeinschaften. Welche Bedeutung hat die päpstliche Buße?

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Tygodnik Powszechny (PL) /

Bedeutungsvolle Geste

Tygodnik Powszechny betont die Bedeutung der Papst-Reise:

„Der schwierigste und vielleicht wichtigste Auslandsbesuch von Papst Franziskus ist im Gange. Er selbst bezeichnet sie als: 'eine Bußpilgerfahrt'. Es ist eine noch nie dagewesene Reise - denn sie dient der Versöhnung. Der Papst ist nach Kanada geflogen, um im Namen der gesamten Weltkirche Buße zu tun.“

Frankfurter Rundschau (DE) /

Die Kirche hatte Schuld!

Die Frankfurter Rundschau beklagt, dass sich Franziskus lediglich der Bekenntnisformel seiner Vorgänger bedient hat, wonach nur „Mitglieder der Kirche“ böse Taten begangen hätten:

„[A]ls ob die Zustände in den katholischen Umerziehungsinternaten und die Kumpanei mit dem Staat nicht Sache der Kirche selbst gewesen wären. Sie stand als Institution nicht dort, wo sie hingehört hätte: an der Seite der Schwachen. Stattdessen machte sie sich mit den Mächtigen gemein. Es hilft auch ganz und gar nichts, relativierend die 'Zeitumstände' ins Feld führen zu wollen. Kinder zu quälen, sexuell zu missbrauchen, verhungern zu lassen – das gehörte noch nie zu dem, was kirchliche Verantwortliche hätten tun oder billigen dürfen, wenn sie die eigene Botschaft ernst genommen hätten.“

NRC Handelsblad (NL) /

Sorry reicht nicht aus

Für NRC Handelsblad fehlen weitere Schritte über eine öffentliche Entschuldigung hinaus:

„Die katholische Kirche hat bisher nur einen Bruchteil der versprochenen Entschädigung bezahlt. Die Öffnung aller Archive, Zugang zu Registern und Dokumenten, so dass die kanadische Wahrheitskommission gründlich das Schicksal aller niemals zurückgekehrten Kinder untersuchen kann, ist noch nicht geschehen. ... Will Papst Franziskus diesem historischen Muster von Leugnen, Verdecken und Wegschauen wirklich ein Ende bereiten, dann gehört zur öffentlichen Buße auch die schnelle Anerkennung des Leidens. ... Gerechtigkeit, Kompensation und vor allem Transparenz. “