Fall Epstein: Millionen neuer Dokumente freigegeben

Das US-Justizministerium hat weitere Akten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht: Die über drei Millionen Seiten an Dokumenten, tausende Videos und weit mehr als 100.000 Fotos enthalten nach Angaben des US-Justizminister Todd Blanche zwar "verstörendes" Material, böten aber keine Grundlage für neue Ermittlungsverfahren. Kommentatoren fordern Aufklärung auf unterschiedlichster Ebene.

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Corriere della Sera (IT) /

Riesige Honigfalle des russischen Geheimdiensts?

Für Corriere della Sera führt eine Spur nach Moskau:

„Das von Jeffrey Epstein aufgebaute Beziehungsnetzwerk entpuppt sich zunehmend als eine der raffiniertesten Spionageoperationen der letzten Jahrzehnte – eine Machenschaft, die die altbewährte russische Kunst des 'Kompromats' – Schlüsselfiguren in kompromittierende Situationen zu bringen, um sie dann in der Hand zu haben – auf ein nie dagewesenes Niveau hob. Wie Geheimdienstquellen gegenüber der Mail on Sunday hervorhoben, wird immer deutlicher, dass der amerikanische Pädophilen-Tycoon im Auftrag des KGB die weltweit größte 'Honigfallen'-Operation inszenierte. Epstein soll im Auftrag russischer und möglicherweise auch israelischer Geheimdienste Mädchen für Staatsoberhäupter beschafft haben, um diese erpressbar zu machen.“

The Sunday Times (GB) /

Der Bruder des Königs muss sein Schweigen brechen

Andrew Mountbatten-Windsor muss endlich für Aufklärung sorgen, fordert The Sunday Times:

„Neu veröffentlichte Dokumente, die seine enge Freundschaft mit dem verurteilten Pädophilen Jeffrey Epstein belegen, werden die Fragen zu seinem Verhalten und dem vieler anderer wohlhabender Männer erneut entfachen. ... Sie werden auch die Forderungen wieder laut werden lassen, dass er offenlegt, was er weiß. ... Andrew sollte nun seine Vermeidungsstrategie beenden. Seit seinem Interview in der Sendung 'Newsnight' im Jahr 2019 hat er geschwiegen. ... Andrew bestreitet jegliches Fehlverhalten, also sollte er bereit sein, auszusagen, wenn nicht vor einem Kongressausschuss, dann vor einer anderen Untersuchungskommission.“

TVXS (GR) /

Versagen des Rechtsstaats

Das Webportal TVXS konstatiert ein Scheitern des Justizsystems auf breiter Front:

„Die entscheidende Frage, die sich aus der Veröffentlichung der Akten ergibt, ist nicht, ob alles, was darin beschrieben wird, wahr ist. Die entscheidende Frage ist, warum wir nicht wissen, was untersucht, was abgelehnt wurde und nach welchen Kriterien. Wenn Anschuldigungen dieser Schwere die Spitze der politischen und wirtschaftlichen Macht betreffen, ist das Fehlen einer vollständigen, unabhängigen und transparenten Untersuchung nicht nur ein institutionelles Versagen. Es stellt einen Bruch im Kern der Rechtsstaatlichkeit und in der Definition von Zivilisation dar.“

El Mundo (ES) /

Es wird eng für Trump und seine Moral

El Mundo schreibt:

„Die jüngste Veröffentlichung von drei Millionen freigegebenen Dokumenten deutet in so viele Richtungen, dass sich unter den Mächtigen der Welt eine 'Rette sich wer kann'-Stimmung verbreitet hat. … Es ist offensichtlich, dass in den USA seit Monaten eine politische und juristische Strategie verfolgt wird, um den derzeitigen Bewohner des Weißen Hauses in die Enge zu treiben. … Vor rund einem Jahr wählten die Amerikaner einen Mann mit zwei Verurteilungen wegen sexuellen Fehlverhaltens. … Trump rühmt sich, dass 'seine Moral' die einzige Grenze für das Handeln seiner Regierung sei. Doch vielleicht wird der Fall Epstein zum Lackmustest dafür, wo die Messlatte ethischer Verantwortung 2026 liegt, und zwar für die in den höchsten Machtpositionen.“