Ukraine: Musk sperrt Starlink für russische Angreifer

Das Satelliten-Internet von Starlink funktioniert in der Ukraine seit einigen Tagen nur noch mit offiziell autorisierten Geräten. In der Praxis führt das dazu, dass die russischen Truppen auf ukrainischem Gebiet keinen Zugang zu dieser von Elon Musks Unternehmen SpaceX angebotenen Technologie mehr haben. Europas Presse beginnt damit, Ursachen und Folgen auszuloten.

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Neatkarīgā (LV) /

Auf Funkgeräte und Feldtelefone angewiesen

Neatkarīgā schaut auf die Auswirkungen an der Front:

„Indem der umstrittene Musk die Kreml-Truppen auf dem Schlachtfeld blind und taub machte, stoppte er zumindest vorübergehend die Angriffe der Invasoren. Nun müssen Putins Kampfeinheiten wieder auf altbewährte Weise kommunizieren und sich mit dem Rauschen der 'guten alten' Armeefunkgeräte oder sowjetischer Feldtelefone begnügen. ... Feldtelefone haben jedoch einen großen Nachteil: Auf dem Schlachtfeld muss ein Kabel verlegt werden und der russische militärisch-industrielle Komplex stellt so ein exotisches Produkt gar nicht mehr her. ... Starlink wurde von den meisten russischen und ukrainischen Armee-Einheiten insbesondere an der Front eingesetzt. ... Aktuell sind 70 Prozent der Kampfdrohnen und Angriffseinheiten an der Front, Panzer, Artillerie und vieles mehr blockiert.“

Gazeta Wyborcza (PL) /

Korruption und Inkompetenz kommen ans Licht

Die neue Situation an der Front bleibt in der russischen Gesellschaft nicht unbemerkt, betont Gazeta Wyborcza:

„Jetzt, da sich herausgestellt hat, dass Musks Gunst trügerisch ist, müssen die Russen auf primitivere und unzuverlässigere Kanäle zurückgreifen. ... Musk tolerierte die Nutzung von Starlink durch die Russen und half ihnen damit sehr. Doch offenbar haben Angriffe auf Züge und Busse sowie zivile Opfer in Häusern, die durch von seinem Netzwerk gesteuerte Drohnen zerstört wurden, ihn dazu veranlasst, seine Haltung zu ändern. ... Viele prominente russische Blogger weisen darauf hin, dass es Korruption und Inkompetenz waren, die dazu geführt haben, dass Russland heute kein eigenes Pendant zu Starlink hat.“

Dserkalo Tyschnja (UA) /

Es gab Gründe für Moskaus Fehlentscheidung

Warum Moskau so lange auf Elon Musk vertraute, erklärt Dserkalo Tyschnja:

„Es scheint, dass die Nutzung des amerikanischen Starlink-Netzwerks durch Russlands Streitkräfte von Anfang an eine fragwürdige und kurzsichtige Entscheidung war, da diese Satelliten-Kommunikationstechnologie einem Nato-Land gehört. Doch wir sollten uns an den Kontext erinnern: Elon Musk, der Putin lobt und erklärt, die Übergabe der Krim an Russland wäre notwendig, um einen Atomkrieg zu vermeiden, sowie seine ständige Kritik an der Ukraine, die sich insbesondere im Sommer und Herbst 2024 verschärft hatte. Hatten die Russen also Gründe, Musk als 'ihren Elefanten' zu betrachten? Eindeutig ja.“

Die Zeit (DE) /

Wieder einmal viel zu spät

Ein richtiger Schritt, aber nicht ohne bitteren Beigeschmack, kommentiert Die Zeit:

„Hätte SpaceX dies früher getan oder hätten europäische Regierungen der Ukraine geholfen, das Unternehmen unter Druck zu setzen, hätten vielleicht einige ukrainische Niederlagen auf dem Schlachtfeld verhindert und Menschenleben gerettet werden können. Eine befriedigende Erklärung, warum Russland erst am Ende des vierten Kriegsjahres den Zugang zu einer solch wichtigen westlichen Technik verliert, gibt es nicht. Stattdessen ist diese Geschichte ein weiteres Beispiel dafür, wie richtige Entscheidungen zugunsten der Ukraine erst viel zu spät getroffen werden.“