Mondumrundung: Wohin schreitet die Menschheit?

Die vierköpfige Orion-Crew hat erfolgreich den Mond umrundet. Ihre Raumkapsel befindet sich auf dem Rückweg und wird nun wieder verstärkt vom Heimatplaneten angezogen. Die Fotos und Live-Übertragungen aus der Orion gehen um die Welt. Doch wie sehr sich die Fortschrittsbegeisterung mit Zukunftssorgen mischt, zeigt ein Blick in die Kommentarspalten.

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Naftemporiki (GR) /

Ein neues Kapitel wird geschrieben

Die Vogelperspektive auf den Zustand der Erde interessiert Naftemporiki:

„In einer Zeit heftiger, blutiger und zerstörerischer geopolitischer Konflikte, die die Geschichte der Menschheit auf Dauer prägen werden, zeigt uns die Reise einer vierköpfigen Nasa-Astronautencrew, dass der Mensch die Fähigkeit besitzt, über sich selbst hinauszuwachsen und neue Kapitel in der Entwicklung der Spezies zu eröffnen, die den Planeten Erde beherrscht. … Die meisten Menschen auf der Erde würden heute gerne wissen, welche Gefühle die vier Passagiere der Orion haben, wenn sie den blauen Planeten inmitten des unendlichen Universums betrachten, wunderschön im Bild, aber verwundet durch menschliche Schwäche.“

Le Quotidien (LU) /

Kooperation bleibt möglich

Wehmütig schaut Le Quotidien zurück:

„Die Orion-Kapsel symbolisiert wunderbar die internationale Kooperation, welche das Artemis-Programm charakterisiert. Das Antriebsmodul wurde in Europa zusammengebaut. Die Europäische Weltraumagentur Esa ist ein Schlüsselpartner der Nasa. Doch seit [der Unterzeichnung des Artemis-Abkommens] 2020 hat sich die globale Lage deutlich verschlechtert. Die Rückkehr zum Mond - zunächst in Form einer einfachen Umrundung - erfolgt, während in der Ukraine und im Mittleren Osten Konflikte wüten. In diesem unruhigen Kontext ruft die Artemis-II-Mission in Erinnerung, dass die weltweite Kooperation weiterhin möglich bleibt.“

Der Tagesspiegel (DE) /

Nicht ohne Beigeschmack

Anders als bei der ersten Mondlandung kann sich der Tagesspiegel nicht so richtig begeistern:

„Warum beunruhigt heute, was einst so begeisterte? ... [D]amals waren die USA immerhin ein Land, das zu den Prinzipien einer freiheitlichen Demokratie stand, zum Völkerrecht, zum Menschenrecht. Der Flug zum Mond war ein Symbol für den Erfolg dieses Systems, der freien Welt. ... Unter seiner [Trumps] Regierung ist die US-Wissenschaft, und damit die Forschung weltweit, so gefährdet wie nie. Die Versuchung, all das angesichts des großen, faszinierenden Ereignisses beiseitezuschieben, ist groß. ... Doch das würde bedeuten, Trumps Politik stillschweigend hinzunehmen und bei seinem Verrat an der Wissenschaft mitzumachen.“

Kommersant (RU) /

USA wollen Weltraum dominieren

Kommersant betrachtet die Mondreise unter dem Blickwinkel von Trumps Weltraumstrategie:

„Etwa ab dem Jahr 2033 soll eine Basis auf der Mondoberfläche in Betrieb gehen, in dem Astronauten einen Monat lang ununterbrochen arbeiten werden. ... Dann soll die Basis über ein Mini-Kernkraftwerk zur Energieversorgung verfügen, und die Astronauten werden in erster Linie Experimente zur Nutzung der Mondressourcen durchführen. Letzteres passt voll und ganz zu dem von Trump im Dezember 2025 unterzeichneten Dekret über eine neue Weltraumstrategie mit dem vielsagenden Titel 'Sicherung der amerikanischen Weltraumüberlegenheit' – das Ziel ist die alleinige Vorherrschaft um des Prestiges, der Sicherheit und letztlich der wirtschaftlichen Erschließung willen.“

Habertürk (TR) /

Wettrennen ist noch nicht entschieden

Welches Land zuerst den Mond kolonisieren wird, steht noch in den Sternen, kommentiert Habertürk:

„Die Entwicklungen in China werden mit großem Interesse verfolgt. ... Artemis II legt die ersten technischen Grundsteine für die Zivilisation, die die Menschheit in Zukunft auf dem Mond und vielleicht sogar auf dem Mars errichten wird. Die nächsten Missionen werden darauf abzielen, auf dem Mond zu bleiben, dort zu produzieren und Fortschritt voranzubringen. Es ist jedoch schwer, heute schon abzuschätzen, welches Land in diesem Wettlauf die Vorreiterrolle übernehmen wird.“

The Irish Times (IE) /

Das Ziel ist nicht der Mond, sondern der Mars

Beim Wettlauf im All geht es vor allem um den Zugang zu Rohstoffen, weiß The Irish Times:

„Der Südpol des Mondes könnte bedeutende Vorkommen an Wassereis bergen, das sich in Raketentreibstoff und Trinkwasser umwandeln lässt. Auf dem Mond findet sich außerdem Helium-3, ein potenzieller Fusionsbrennstoff, und es gibt Seltene Erden, deren strategische Bedeutung wächst. Sowohl für Washington als auch für Peking ist der Mond nicht das Endziel, sondern eine Zwischenstation auf dem Weg zum Mars. Wer auch immer dort zuerst präsent ist, wird in der Vorreiterrolle für alles sein, das folgt.“