Was bringt Trumps Ultimatum an Teheran?
Trump hat der iranischen Führung ein Ultimatum zur Öffnung der Straße von Hormus bis Dienstagnacht gestellt. Andernfalls würden Kraftwerke und Brücken im gesamten Iran zerstört. Israel warnte die Iraner auf X davor, sich in Zügen oder an Bahnhöfen aufzuhalten. Die UN rufen zur Einigung auf und warnten vor Verstößen gegen das Völkerrecht – und auch Europas Medien sind höchst besorgt.
Der Pirat profitiert vom Chaos
La Stampa vergleicht den Krieg mit vergangenen Interventionen der USA:
„Viele weisen zu Recht darauf hin, dass 'Iran nicht Irak ist', doch niemand fügt die andere Hälfte des Arguments hinzu: Das Amerika von heute ist nicht mehr das Amerika von damals. Trump hat dies mit seiner typischen Brutalität faktisch offiziell gemacht: 'Wir nehmen uns iranisches Öl'… . Mit anderen Worten: War Amerika in der alten Weltordnung lange Zeit der Ordnungshüter, so ist es im neuen globalen Chaos bereit, den Piraten zu spielen. Der Pirat bekämpft nicht das Chaos, sondern profitiert davon. Aus dieser Perspektive erscheint das Vorgehen im Iran nicht länger nur als eine Reihe von Fehlern, sondern entwickelt zynischerweise eine eigene Logik.“
Beilegung des Konflikts wäre noch möglich
Beide Seiten würden von einer Einigung profitieren, analysiert Ökonom Bruno Colmant in Trends-Tendances:
„Eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen im Gegenzug zu einer verstärkten internationalen Kontrolle des Atomprogramms und eine kalibrierte Öffnung des Handels: Dieser Ansatz ist direkt, transaktional und in seinem Pragmatismus fast schon trumpartig. Teheran kann dabei sein Gesicht wahren, gewinnt wirtschaftlichen Spielraum und Zeit. ... Die USA unter einer Trump-Administration, die ihre Aversion gegen endlose Kriege nie verheimlicht hat, sehen darin einen greifbaren Erfolg: Stabilisierung der Energiemärkte, Eindämmung geopolitischer Risiken und vor allem einen Sieg ohne Einsatz von Bodentruppen.“
Es leiden die Ärmsten und Schwächsten
Der Krieg bringt nicht nur einen Mangel an fossilen Brennstoffen, sondern durch die Bombardierung von Entsalzungsanlagen und fehlenden Dünger weitere Folgen mit sich, warnt Dagens Nyheter:
„Wenn die Ernten in diesem Herbst folglich geringer ausfallen, drohen Hunger oder gar Hungertod. Es ist eine uralte Wahrheit, dass das Volk für die Fehler der Anführer bezahlen muss. Die Rechnung dafür, dass die USA nun einen Präsidenten haben, der zu gleichen Teilen von Launen und Narzissmus gesteuert wird, mag auf die ganze Welt verteilt werden, aber der Löwenanteil trifft die Ärmsten und Verwundbarsten. Im Iran und im Libanon ebenso wie im südlichen Afrika.“
Der Kraftstoffmangel ist noch nicht angekommen
Vorerst herrscht relative Normalität beim Energieangebot, doch das wird sich bald ändern, sagt Latvijas Avīze voraus:
„Noch erreichen bereits vor Kriegsbeginn am 28. Februar ausgelaufene Öltanker und Flüssiggas-Schiffe die Häfen der USA, Europas und Asiens. … Solche Schiffe bewegen sich langsam fort, mit einer Geschwindigkeit von etwa 12 Seemeilen pro Stunde, was ungefähr 22 km/h entspricht. ... Unser Krisengefühl basiert momentan auf Zukunftsängsten, nicht auf einem tatsächlichen Mangel an Treibstoff oder anderen Gütern. Dieses Gefühl wird jedoch in den kommenden Tagen durch einen realen und physischen Mangel ersetzt werden.“