En Marche: Was hat Macrons Bewegung erreicht?
Vor zehn Jahren, am 6. April 2016 hat Emmanuel Macron im Vorfeld seiner ersten Präsidentschaftskandidatur die Bewegung En Marche gegründet, die inzwischen unter dem Namen Renaissance als Partei firmiert. Sie sollte die Rechts-Links-Polarisierung der politischen Landschaft Frankreichs überwinden und dem Land eine neue Dynamik verleihen. Kommentatoren bewerten den Erfolg.
Keines seiner Versprechen ist aufgegangen
Der Präsident, dessen zweite Amtszeit 2027 endet, hat bei seinen zentralen Anliegen versagt, betont Le Point:
„Eine Bewegung, die 'der Stagnation ein Ende setzen' soll. Stagnation? Ist das nicht das, was das Land seit 2024 kennzeichnet? Damals versprach dieser ehrgeizige Mann, die extreme Rechte auszulöschen. Wer hat die größte Fraktion in der Nationalversammlung? Er wollte die Gräben überwinden, 'weder rechts noch links', und so seine Mitbürger um eine effektive Regierungsführung versöhnen. War die französische Politik jemals so polarisiert wie heute?“
Katastrophale Bilanz
Der Macronismus hat auf vielen Ebenen versagt, kritisiert Politis-Chefredakteur Pierre Jacquemain:
„Die technokratische Politik, die seit 2017 von zahlreichen aufeinanderfolgenden Regierungen verkörpert wurde, glaubte, ohne Konflikte regieren zu können. Vor allem hat sie die demokratische Debatte entwaffnet und den öffentlichen Raum anfälliger für die extreme Rechte und vereinfachende Narrative gemacht. International hat Frankreich versagt: diplomatische Rückschläge, Unfähigkeit, seine Werte zu verteidigen, Fehlen einer strategischen Vision. ... So bleibt eine einfache, fast schwindelerregende Frage: Was hinterlässt der Macronismus außer der Leere, die er selbst geschaffen hat?“
Leistungen sollten nicht verkannt werden
Macron hat Frankreich vorangebracht, konstatiert Paul Ackermann, Frankreich-Korrespondent von Le Temps:
„Selbst wenn Macron oft eine Art jupiterhafte Blindheit an den Tag gelegt hat, sind einige Ergebnisse unbestreitbar. Die Beschäftigungsquote des Landes hat sich verbessert. ... Und Frankreich hat nach wie vor Gewicht, trotz eines Europas und einer internationalen Gemeinschaft, die ihm hart zusetzen. ... Er ist ein Staatsoberhaupt, das zudem in einer ins völlige Chaos gestürzten Welt nicht die lächerlichste Figur abgibt. In letzter Zeit hat sich Macron auf der internationalen Bühne relativ gut geschlagen (dem einzigen Bereich, in dem er noch Einfluss hat). Ein Comeback, das sich allmählich in den Umfragen bemerkbar macht.“