Kuba in Existenzkrise: Setzt sich Trump durch?

Kuba drohe eine "humanitäre Katastrophe", sagte Außenminister Bruno Rodríguez Parrilla am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat. Der kommunistische Karibikstaat leidet seit Monaten unter einer Ölblockade. US-Präsident Trump drohte an, Kuba "zu übernehmen". Auch wurde gegen den 94 Jahre alten Ex-Präsidenten Raúl Castro in den USA Anklage erhoben. Die Medien erörtern, wie sich diese Krise entwickeln kann.

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El Mundo (ES) /

Warum Verhandlungen eine Chance haben

El Mundo sieht Kompromissbereitschaft bei den in dieser Krise entscheidenden Kräften:

„Kubas Zukunft liegt offensichtlich in den Händen dreier Akteure, die mehr an harten Verhandlungen als an einer unkontrollierten Eskalation interessiert sind: Dies sind Gaesa, ein von der Militär-Elite kontrollierter Wirtschaftskonzern, die Streitkräfte und die Regierung Trump. … Der wirtschaftliche Zusammenbruch bedroht die Interessen von Gaesa, deshalb sucht der Konzern ein neues politisches Gleichgewicht, das sein Überleben sichert. Das Militär hat keinen Anreiz für extremen Widerstand. … Und auch Trump scheint kein Interesse an einem politischen Vakuum mit einer weiteren chaotischen Migrationskrise zu haben. … Daher sucht er Gesprächspartner im kubanischen Apparat.“

Le Monde (FR) /

Reichlich Kopfschmerzpotenzial

Trumps Kuba-Politik könnte zum Bumerang werden, warnt Le Monde:

„Ein gewaltsamer Sturz des kubanischen Regimes würde Washington dazu zwingen, langfristig involviert zu sein. ... Eine Öffnung Kubas könnte mit einer Migrationswelle in Richtung USA einhergehen, welche im Widerspruch zu der von der Regierung brutal durchgesetzten, sehr restriktiven Politik stünde. … Außerdem muss Trump weitere Faktoren, wie den Helms-Burton Act, berücksichtigen, der die Aufhebung der US-Sanktionen strikt an einen demokratischen Übergang oder eine demokratisch gewählte Regierung in Havanna knüpft. ... Die von Donald Trump erhoffte 'große Ehre' könnte durchaus mit heftigen Kopfschmerzen einhergehen.“

La Tribune de Genève (CH) /

Riskantes Spiel

Ein Sturz des kubanischen Regimes käme Trump vor den Zwischenwahlen sehr gelegen, so La Tribune de Genève:

„Der nach der Festnahme von Nicolás Maduro vor Selbstvertrauen strotzende US-Präsident hegt den Plan, Raúl Castro, die zentrale Figur des Regimes, zu entmachten. … Doch der Castrismus ist weitaus stabiler als der Chavismus von Maduro. Und das seit Jahrzehnten mit Sanktionen belegte Regime hat eine außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit bewiesen. … Dem Volk zu helfen, das dank der Dollars der kubanischen Diaspora in Florida überlebt, welche vom Ende des kommunistischen Regimes in Havanna träumt, wäre für Trump und die Republikaner ein Lichtblick am grauen Himmel der Midterms im November. Ein erneuter Misserfolg würde hingegen eine echte Wahlkatastrophe bedeuten.“

Trouw (NL) /

Und dann kommt Grönland an die Reihe?

Europa darf nach Venezuela und Iran nicht auch noch eine Kuba-Intervention Trumps hinnehmen, mahnt Trouw:

„Die Vereinigten Staaten haben kein Recht, auf der Grundlage fadenscheiniger Begründungen in ein anderes Land einzumarschieren oder es anzugreifen, wie verwerflich das dortige Regime auch sein mag. ... Dass Trump innerhalb weniger Monate eine Spur des Chaos durch die Welt zieht und damit offenbar nicht aufhören will, müsste zu weitaus größerer Bestürzung und Unruhe führen sowie zu viel schärferen Verurteilungen. Dass es in Europa mucksmäuschenstill bleibt zu den Drohungen und Maßnahmen gegen Kuba, ist schlimm. Und dumm. Bleibt es still um Kuba, dürfen wir uns nicht empören, wenn das nächste amerikanische Ziel Grönland ist – und dann diesmal in echt.“