Hitzerekord schon im Mai – ist Europa vorbereitet?
Eine ungewöhnlich frühe Hitzewelle hält derzeit Westeuropa im Griff. In Frankreich und Großbritannien verzeichneten Meteorologen neue Temperaturrekorde für den Monat Mai mit Werten von bis zu 36 Grad Celsius. In Spanien stiegen die Temperaturen regional auf bis zu 40 Grad. Mehrere Menschen starben bereits an den Folgen der Hitze. Kommentatoren blicken auf Versäumnisse der Vergangenheit und warnen vor der Zukunft.
Briten sind Extremen hilflos ausgeliefert
Großbritannien ist auf eine solche Hitze nicht vorbereitet, merkt The Guardian an:
„Im Hitzesommer 2022 stieg die Temperatur in Großbritannien erstmals über 40 Grad Celsius, was zum vorzeitigen Tod von mehr als 3.000 Menschen führte. [Der staatliche Eisenbahnnetzbetreiber] Network Rail gab auf dem Höhepunkt der Hitzewelle eine Reisewarnung heraus, während Tausende Haushalte im Norden des Landes ohne Strom waren. ... Und nun stelle man sich vor, eine solche Hitze hielte eine Woche oder länger an. ... Großbritannien ist auf solche Temperaturen und ihre weitreichenden Folgen schlicht nicht vorbereitet. Mehr als neun von zehn Haushalten sind nicht ausreichend isoliert, um die Hitze draußen zu halten. Zudem wird bis 2050 ein Mangel an fünf Milliarden Litern Wasser pro Tag prognostiziert.“
Kaum Schutz vor den Temperaturen
Público schwant Übles im Hinblick auf den Sommer:
„Lissabon stand im Jahr 2022 an Platz sieben der europäischen Städte, die am stärksten von Hitzewellen betroffen waren. ... Und mehr als ein Fünftel (22 Prozent) der Einwohner beklagte sich darüber, nicht über die finanziellen Mittel zu verfügen, um mit niedrigen oder hohen Temperaturen fertig zu werden. ... Diese Hitze, die uns heute so gut tut, ist dieselbe, die morgen Schulen schließen, Straßen zum Schmelzen bringen, Mobilfunknetze lahmlegen und unsere Häuser zu noch ungemütlicheren Orten zum Leben machen wird.“
Macrons großes Versagen
Mediapart nimmt Frankreichs Präsidenten für seine fehlende Klimapolitik in die Verantwortung:
„Die Politik zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Anpassung an die unumkehrbaren Folgen einer Welt mit +2 Grad Celsius ist und bleibt eines der großen Versagen von Emmanuel Macron. Als er 2017 gewählt wurde, zwei Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen, hat der damals junge Präsident die Gelegenheit zur Klimawende völlig verpasst. Nachdem zwar die richtigen Worte verkündet wurden ('Make our planet great again'), wurde vonseiten des Élysée nichts Ernsthaftes oder Ambitioniertes in Gang gesetzt, um das Land zu dekarbonisieren und es auf den Weg einer Form von Klimagerechtigkeit zu bringen. ... Emmanuel Macron hatte weder Vision noch Strategie noch nachhaltigen Erfolg.“
Die neue Sommerrealität
Le Quotidien sorgt sich um die kommenden Generationen:
„Unsere Sommer sehen inzwischen so aus: Sonne mit erträglichen Temperaturen und dann plötzlich, für ein, zwei oder drei Wochen, ein- bis zweimal pro Sommer Hitzewellen, die die Bevölkerung dazu zwingen, sich zu Hause zu verstecken oder in klimatisierten Räumen nach Abkühlung zu suchen. Wir stehen erst am Anfang dieser neuen Art von Sommern und es wird von Jahr zu Jahr schlimmer werden. Vor fünfzig Jahren hat man dem Sommer noch voller Vorfreude entgegengesehen. Das ist auch heute noch so, wenn auch mit der Sorge vor einem möglichen Wetterextrem. Und morgen – in welcher Verfassung werden sich unsere Kinder wohl befinden, wenn sie sehen, wie die Tage unaufhaltsam länger werden?“