Frankreich: Arbeitsverbot am 1. Mai aufgeweicht
Frankreichs Regierung erlaubt Bäckereien und Blumenläden dieses Jahr erstmals, Angestellte am 1. Mai arbeiten zu lassen, vorausgesetzt diese sind freiwillig dazu bereit und erhalten doppelten Lohn. Während die Arbeitgeberseite, insbesondere Metzger und Fischhändler, auf eine weitere Lockerung des Arbeitsrechts drängen, laufen Gewerkschaften dagegen Sturm.
Fest der Errungenschaften verteidigen
Sandrine Foulon, Chefredakteurin der Online-Ausgabe von Alternatives Economiques, warnt:
„Das Räderwerk in Gang zu setzen, bedeutet, kollektiv zu akzeptieren, dass Arbeit an diesem Tag zur Normalität wird und dass dies schließlich auf alle Branchen ausgeweitet wird. Dass die Freiwilligkeit der Beschäftigten nicht mehr immer berücksichtigt wird und dass atypische Arbeitszeiten – fast die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet bereits gelegentlich abends, samstags und sonntags – zur Norm werden. In einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft nimmt der 1. Mai eine besondere Stellung ein. Er symbolisiert nach wie vor die Arbeit als ein gemeinsames Fest und erinnert an zahlreiche hart erkämpfte soziale Erfolge. Wir dürfen dieses Symbol nicht zerstören.“
Ausgeprägte Modernitätsverweigerung
Frankreich geht nicht mit der Zeit, kritisiert Les Echos:
„Während letzte Woche die Debatte um die Legitimität der Arbeit von Floristen am 1. Mai tobte, haben wir erfahren, dass KI sogar die operative Sicherheit vieler Unternehmen gefährden könnte. ... In diesem Kontext wirken Frankreichs Besessenheiten hinsichtlich des Arbeitsverbots am 1. Mai oder gar des Erhalts der 35-Stunden-Woche bestenfalls fehl am Platz. Sie lenken von den eigentlichen Problemen ab und verdeutlichen vor allem die wachsende Kluft zwischen einem Frankreich, das vehement soziale Errungenschaften aus einer Zeit verteidigt, in der andere wirtschaftliche Regeln galten, und einer Welt, die sich wenig um solche Nebensächlichkeiten schert.“