Ein Monat Iran-Krieg: Eskalation ohne Ende?

Einen Monat nach dem Angriff Israels und der USA auf den Iran ist keine Entspannung in Sicht. Zwar kündigte Pakistans Regierung an, zwischen Washington und Teheran vermitteln zu wollen. Gleichzeitig bereiten sich die USA laut Medienberichten auf den Einsatz von Bodentruppen vor. Zusätzlich haben auch die Huthi im Jemen ihren Kriegseintritt verkündet und Raketen auf Israel abgefeuert.

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El Periódico de Catalunya (ES) /

Ein Ausflug in die Hölle

El Periódico de Catalunya sieht einen neuen Weltkrieg heraufziehen:

„Der Ausflug, von dem Donald Trump so frivol sprach, führt in die Hölle. ... Der Eintritt der jemenitischen Huthi-Rebellen in den Konflikt erweitert das Schlachtfeld. ... Vom Jemen aus könnte eine weitere strategische Meerenge für die Weltwirtschaft blockiert werden, nämlich die von Bab el-Mandeb vor den Toren des Roten Meeres und des Suezkanals, was Saudi-Arabien zum direkten Eingreifen zwingen würde. ... Was die Fähigkeit der USA und Israels angeht, eine Schlacht zu gewinnen, hat sich nichts verändert, aber jetzt müssen sie ihre Soldaten auf dem Schlachtfeld opfern. ... Wenn die USA bei den in Pakistan beginnenden Verhandlungen keinen Waffenstillstand hinbekommen, stehen wir vor dem potenziellen Beginn eines neuen Weltkrieges.“

The Guardian (GB) /

Katastrophe mit Ankündigung

Auch The Guardian blickt mit Grauen auf die derzeitigen Entwicklungen:

„Kaum zu fassen, dass nach all dem tödlichen Leid und Elend der Kriege im Irak und in Afghanistan ein US-Präsident erneut ernsthaft erwägt, Bodentruppen in den Nahen Osten zu entsenden. Noch erstaunlicher ist, dass es sich dabei um Trump handelt, einen lautstarken Kritiker kostspieliger Auslandseinsätze. ... Verhandlungen, die von beiden Seiten ohne Vorbedingungen geführt werden, sind der einzig vernünftige Ausweg. Dafür müsste Trump seinen Stolz herunterschlucken und Fehler eingestehen. Doch wie die ganze Welt weiß, ist die Vorstellung, dass der ignoranteste, rücksichtsloseste und narzisstischste aller US-Präsidenten dies tatsächlich tun könnte, unrealistisch. Die zweite Amtszeit Trumps musste zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Nun geschieht genau das.“

Contributors (RO) /

Enormes Blockadepotenzial

Der Analyst Radu Carp schreibt bei Contributors:

„Mit dem Eingreifen der Huthi-Miliz und einer möglichen Blockade der Meerenge Bab el-Mandab kann der Iran beweisen, dass er beide Enden des Seewegs der Arabischen Halbinsel bedrohen und damit einen Großteil des Welthandels mit Energieressourcen blockieren kann. Der Iran handelt hier nicht allein, sondern in strikter Abstimmung mit Russland und China. Denn Irans Blockade kommt Russland zugute, das unerwartet hohe Summen aus dem Verkauf von Erdöl erzielt hat. ... Auch China profitiert weiterhin vom iranischen Erdöl und besitzt riesige Reserven, über die die westlichen Staaten derzeit nicht verfügen. Es ist keineswegs zufällig, dass die Revolutionsgarden von den Schiffen, die die Straße von Hormus passieren wollen, eine Gebühr in chinesischen Yuan verlangen.“

La Stampa (IT) /

Teherans regionales Netzwerk wird aktiv

Das Eingreifen der Huthi-Miliz verändert den Krieg grundlegend, warnt La Stampa:

„Es handelt sich nicht einfach um eine weitere Front. Es ist ein struktureller Wandel: Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran weitet sich aus und verzweigt sich, er entwickelt sich zu einem System miteinander verbundener Krisen. ... Die Entscheidung der Huthi stellt eine der bedeutendsten Eskalationen seit Kriegsbeginn dar. Nicht nur, weil sie das Operationsgebiet ausweitet, sondern auch, weil sie eine tiefer liegende Dynamik bestätigt: die fortschreitende Aktivierung des regionalen Netzwerks Irans. Nach der Hisbollah und den irakischen Milizen ist nun auch der Jemen vollständig in dessen Einflussbereich eingebunden.“

Berlingske (DK) /

Wer will schon diesem Mann helfen?

Trump zahlt den Preis dafür, Trump zu sein, titelt Berlingske und erinnert an die Grönland-Krise:

„Die Drohungen des US-Präsidenten gegen ein Nato-Mitglied haben bei den Verbündeten der USA tiefe Spuren hinterlassen. Die USA müssen feststellen, dass Verbündete nicht mehr im gleichen Tempo zur Hilfe eilen wie zuvor. ... Das hat Trump dazu veranlasst, den übrigen Nato-Staaten vorzuwerfen, die USA im Stich zu lassen – doch in Wahrheit hat die zurückhaltende Reaktion mehr mit der Person als mit der Nation zu tun. Es sind nicht die USA, denen es an Unterstützung mangelt. Es ist Trump.“