Kongress-Rede von König Charles: Notwendige Signale?

Der britische König Charles III. hat bei seinem Besuch in Washington eine mit viel Beifall quittierte Rede vor dem US-Kongress gehalten. Darin beschrieb er Verantwortlichkeiten für die Nato, die Ukraine, die globale Sicherheit und die Umwelt. Gleichzeitig unterstrich er die Verbundenheit Großbritanniens mit den USA und die Notwendigkeit gemeinsamen Engagements für den Erhalt der Demokratie.

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taz, die tageszeitung (DE) /

Als Monarch steht er über dem Mittelmaß

Ein gewöhnlicher Staatschef hätte eine solche Ansprache nicht halten können, hebt die taz hervor:

„Nicht nur, weil kein gewählter Präsident die USA daran erinnern kann, das sein Urururururgroßvater sie 'neulich erst' in die Unabhängigkeit entließ, sondern auch, weil ein gewählter Präsident keine höhere Legitimität als ein anderer gewählter Präsident beanspruchen kann. Sie sind beide bloß gewählt, also auch nur von einem Teil ihrer jeweiligen Bevölkerung. Ein König ist von niemandem gewählt und vertritt daher die gesamte Bevölkerung gleichermaßen, und – das ist zentral – er kann in größeren Zeiträumen denken, Traditionen überparteilich verkörpern und damit Politiker mit begrenzter Amtszeit und parteilicher Färbung auf ihr wahres Mittelmaß zurechtstutzen.“

Le Monde (FR) /

Willkommener Appell

Le Monde zollt viel Anerkennung:

„Die Lobrede auf das Gleichgewicht der Gewalten und 'tiefgreifende Debatten' im Parlament klingt wie eine Kritik an der Machtkonzentration des US-Präsidenten. Der Appell von Charles III., 'unbeugsame Entschlossenheit' zur Verteidigung der Ukraine an den Tag zu legen und die 'atlantische Partnerschaft' zu bewahren, stellt eine willkommene Kritik am Rückzug Trumps und dessen Nachsicht gegenüber Moskau dar. … Dass [Trumps] Faszination für die Monarchie ihn dazu veranlasst, König Charles III. mit großem Pomp zu empfangen und ihm feierlich eine Bühne für eine lehrreiche Lektion in Sachen Demokratie, internationale Zusammenarbeit und Umwelt zu bieten, kann als einer der wenigen Lichtblicke in der aktuellen Lage erscheinen.“

The Guardian (GB) /

Beschämende Anbiederei

Keine Freude an Charles' Auftritt in Washington hat Kolumnistin Frances Ryan in The Guardian:

„Ein paar Tage voller Freundlichkeiten garantieren nicht, dass Trumps Zuneigung lange anhält. Premier Keir Starmer kann davon ein Lied singen. Was viel länger anhalten wird, ist das Gefühl der Komplizenschaft: dass das Unverteidigbare einmal mehr legitimiert wurde. Es entsteht der Eindruck, dass Verbündete wegschauen, egal, welche Grenzen überschritten wurden – vom völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran bis hin zu den Inhaftierungen und Todesfällen durch die Einwanderungsbehörde ICE. Dass Charles Trump umwarb, ohne Epsteins Opfer zu treffen – oder sie, wie erhofft, in seiner Rede auch nur zu erwähnen –, könnte kaum deutlicher zeigen, wer zählt und wer nicht.“