Israels Armee rückt im Libanon weiter vor

Beim Kampf gegen die Hisbollah-Miliz ist Israels Armee im Süden des Libanon weiter vorgerückt. Dabei nahm sie die strategisch und symbolisch wichtige Kreuzfahrerfestung Beaufort ein und hisste dort erstmals seit 26 Jahren die israelische Flagge. Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens kritisierten den Vorstoß und riefen sowohl Israel als auch die Hisbollah auf, die Kämpfe einzustellen.

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The Sunday Times (GB) /

Netanjahus Wettlauf gegen Trump

Der israelische Regierungschef will Fakten schaffen, bevor ihm ein Iran-Deal von US-Präsident Trump die Hände bindet, analysiert The Sunday Times:

„Diese Militäraktion verfolgt mehrere Ziele. Sie stärkt Israels Position im Libanon, sodass die israelischen Streitkräfte den größtmöglichen strategischen Vorteil gegenüber der Hisbollah haben, sobald die Offensive auf Druck von Donald Trump eingestellt werden muss. Die Pufferzone wurde erweitert, um zu verhindern, dass eine diplomatische Lösung einen Status quo festschreibt, den Premier Netanjahu als eindeutig inakzeptabel betrachtet. Die Militäraktion erschwert zudem eine diplomatische Einigung und festigt Netanjahus Position gegenüber seinen rechtsgerichteten Koalitionspartnern.“

Naftemporiki (GR) /

Annexion des Südlibanon geplant

Israel verfolgt einen Expansionsplan, glaubt Naftemporiki:

„Im Südlibanon erleben wir die Zerstörung von Tyros, einer der wichtigsten Städte unserer gemeinsamen mediterranen Zivilisation. Die israelische Armee hat die Evakuierung von 125.000 Einwohnern angeordnet, was unter anderem einen Verstoß gegen das Völkerrecht und ein Kriegsverbrechen darstellt. ... Der arabischsprachige Sprecher der israelischen Armee sendet täglich dieselbe Nachricht an Dutzende von Dörfern: 'Zu Ihrer Sicherheit müssen Sie Ihre Häuser sofort verlassen und sich in den Norden begeben'. Netanjahu behauptet, im Libanon Stellungen der Hisbollah anzugreifen, doch in Wahrheit will er lediglich eine ganze Region verwüsten, um sie später im Rahmen des Plans für ein 'Großisrael' zu annektieren.“

taz, die tageszeitung (DE) /

Besser Beiruts Militär stärken

Es hätte einen anderen Weg gegeben, die Hisbollah zu bekämpfen, schreibt die ehemalige Nahost-Korrespondentin der taz, Susanne Knaul:

„Israel hat in Beirut Verbündete im Kampf gegen die Hisbollah. Nur allzu gern würde Ministerpräsident Nawaf Salam die Souveränität des Staates durch die Entwaffnung der Terrormiliz erreichen und die eben aufgenommenen Friedensverhandlungen mit Israel fortsetzen. Ebenso hatte Präsident Joseph Aoun, ehemals selbst Oberbefehlshaber der libanesischen Streitkräfte, schon bei seinem Amtsantritt letztes Jahr verkündigt, dass der Staat das Waffenmonopol haben sollte. Die libanesische Armee sollte in die Lage versetzt werden, diese Mission aufzunehmen. Sie muss aufgerüstet und ausgebildet werden, damit sie eine Chance hat, mit der Hisbollah auf Augenhöhe die Bedingungen für eine Entwaffnung zu verhandeln.“