Israel und Libanon: Was bringen Verhandlungen?
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat in Washington ein direkter Austausch von Vertretern Israels und des Libanon stattgefunden. Der israelische Botschafter in Washington, Jechiel Leiter, bezeichnete die Gespräche mit seiner libanesischen Amtskollegin Nada Hamadeh Moawad als sehr positiv. So sei man sich einig, dass die Hisbollah ihre Macht abgeben müsse. Kommentatoren sehen die Erfolgsaussichten jedoch skeptisch.
Beirut ohne wirkliche Macht
Polityka analysiert, vor welchen Schwierigkeiten die Regierung in Beirut steht:
„Das Problem ist, dass die libanesische Regierung schwach ist und in den vielen Jahren seit der Unabhängigkeit des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg nie die Kontrolle über das gesamte Staatsgebiet inne hatte. Das 'libanesische Volk' ist ein Mosaik aus vielen ethnisch-religiösen Gruppen – die größten sind Muslime und Christen verschiedener Konfessionen, die zwar in der Regierung vertreten, aber zerstritten sind und einander bekämpfen. Im 15 Jahre andauernden Bürgerkrieg [1975 bis 1990] kamen fast 150.000 Menschen ums Leben, und etwa eine Million – fast 20 Prozent der Bevölkerung – wanderten aus. Ein Teil der muslimischen Minderheiten sympathisiert mit der Hisbollah. Deren Anführer Kassem hat nicht zufällig der Regierung vorgeworfen, ohne die Unterstützung der 'Mehrheit' der Bevölkerung zu handeln.“
Schier unüberwindbare Hürden
Selbst wenn der Wille vorhanden wäre, den Forderungen Israels nachzukommen, wären diese kaum umzusetzen, glaubt The Economist:
„Die libanesische Regierung und ihre Armee sind zu schwach, um die Hisbollah zu entwaffnen und sie daran zu hindern, Raketen und Drohnen auf Israel abzufeuern. ... Die Entwaffnung der Hisbollah und die Zwangsauflösung ihres militärischen Flügels würden Jahre dauern. Für einen solchen Wandel bräuchte es in der tief gespaltenen libanesischen Gesellschaft einen politischen Konsens sowie den deutlichen Ausbau der Kapazitäten der libanesischen Armee. Selbst wenn ein solcher Wandel möglich wäre, ist es unwahrscheinlich, dass Netanjahu den Libanesen die dafür notwendige Zeit einräumen würde.“