Aufruhr nach Tod von britischem Studenten
Der Tod eines Studenten, der vergangenen Dezember niedergestochen wurde, wühlt die Öffentlichkeit im Vereinigten Königreich auf. Der 18 Jahre alte Henry Nowak starb an seinen Verletzungen, nachdem die Polizei ihn offenbar für den Täter und nicht für das Opfer hielt. Die Beamten legten ihn in Handschellen, statt ihm zu helfen, wie jetzt veröffentlichte Bodycam-Bilder zeigen. Der Täter, ein Sikh, hatte behauptet, von Nowak rassistisch angegriffen worden zu sein. Er wurde nun zu lebenslanger Haft verurteilt.
Verquere Zustände bei der Polizei
Die Neue Zürcher Zeitung beobachtet:
„Das Fehlverhalten der Polizei, die Rassismusvorwürfen blindlings glaubte und tödliche Verletzungen ignorierte, ist mehr als ein tragischer Einzelfall. Auch wenn der Vorfall noch weiter untersucht werden muss, fügt er sich in das Gesamtbild einer britischen Polizei, deren Prioritätenliste durcheinandergeraten ist. Statt Recht und Ordnung durchzusetzen, kämpft sie für Diversity und gegen angeblichen Rassismus. ... Polizeibeamte beschreiben einen Kult der 'Diversität und Inklusion', der sich negativ auf ihre Arbeit auswirkt. Viele junge Polizisten hätten mittlerweile solche Angst vor Diskriminierungsvorwürfen, dass sie sich nicht mehr auf ihr Urteilsvermögen und ihren gesunden Menschenverstand verlassen würden.“
Überhebliche Heuchelei
Kommentator Brendan O’Neill schimpft in The Spectator:
„Dieselben Linken, die wegen des Todes von George Floyd auf die Straße gingen, erklären nun, dass die Empörung über den Tod von Henry unangebracht sei. ... Wütende Männer und Frauen riefen 'I can't breathe', Henrys letzte Worte. Wie taktlos, echauffierten sich daraufhin Linke überall in den sozialen Medien. ... Hier ist mehr als nur Heuchelei im Spiel. Wir erleben, wie eine Grenze gezogen wird zwischen der als aufgeklärt geltenden Wut der Mittelschicht und dem angeblich uninformierten Zorn der Arbeiterklasse. Wenn Sie aus dem wohlhabenden London stammen, über einen Universitätsabschluss verfügen und Phrasen wie 'struktureller Rassismus' verwenden, dürfen Sie Ihrer Wut Luft machen. Wenn Sie eine Boulevardzeitung lesen, noch nie eine Universität von innen gesehen haben und sagen 'Nigel Farage ist der absolute Hammer', dann nicht.“
Eine verdrehte Rassismus-Debatte
Der Fall darf nicht instrumentalisiert werden, mahnt The Guardian:
„Die Rechten haben die Deutungshoheit über Nowaks Tod an sich gerissen und die Realität auf den Kopf gestellt. ... In Großbritannien ist die Wahrscheinlichkeit, nach einem Polizeieinsatz zu sterben, für Schwarze Menschen siebenmal höher als für Weiße. Schwarze Kinder in England und Wales werden fast achtmal häufiger einer Leibesvisitation unterzogen und sind überproportional vom Einsatz von Tasern und Handschellen betroffen. ... Nowaks Fall hätte sich in die lange Geschichte polizeilicher Versäumnisse einordnen lassen, stattdessen wurde er zu einer nativistischen Erzählung umgedeutet, die Einwanderer und Minderheiten als Bedrohung für die weiße britische Bevölkerung darstellt.“