Jetzt auch Streit mit Meloni: Wie mit Trump umgehen?

Lange galt die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni als Brückenbauerin zwischen den USA und der EU. Damit ist es vorbei, seit Italien die Nutzung von Militärbasen im Iran-Krieg verweigerte und US-Präsident Donald Trump den Papst kritisierte. Beim jüngsten G7-Treffen erklärte Trump nun, Meloni habe ihn um ein gemeinsames Foto "angefleht" und er habe "Mitleid" gehabt. Meloni bezichtigte den US-Präsidenten der Lüge.

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Corriere della Sera (IT) /

Hoffentlich wird diese Lektion verstanden

Italienische Regierungsvertreter sollten begreifen, dass internationale Beziehungen nicht auf persönlichen Freundschaften beruhen, mahnt Corriere della Sera:

„Dass das nationale Interesse eines Landes die Amtszeit ihres jeweiligen Vertreters überdauert. Dass internationale Treffen keine Gala-Dinner oder PR-Aktionen sind. Dass es sinnlos ist, um die Gunst der einen oder anderen einflussreichen Persönlichkeit zu buhlen. ... Was wirklich zählt, ist nicht die Persönlichkeit des Staatsoberhaupts, sondern das spezifische Gewicht des Landes, das sich nicht nur aus Wirtschaftskraft und militärischer Stärke zusammensetzt, sondern auch aus Geschichte, Kultur, Soft Power und nationaler Würde.“

Der Standard (AT) /

Wie einen schwierigen Patienten behandeln

Der Standard rät gegenüber Trump zur Vorsicht:

„Die Art, wie Trump mit an sich befreundeten Nationen, mit seinen Verbündeten umgeht, ist absurd. Er hat ja nicht nur Meloni der Lächerlichkeit preisgegeben, er hat auch den deutschen Bundeskanzler attackiert, den französischen Präsidenten vor den Kopf gestoßen, den englischen Premier, die EU-Kommissionspräsidentin … Wie also umgehen mit Trump? Ignorieren lässt er sich nicht. Auf totale Konfrontation gehen ist auch nicht sinnvoll. Wer weiß, wie rasch das eskaliert und wo das endet. Was jedenfalls hilft, und diese Lektion hat Meloni schmerzhaft lernen müssen: Anbiedern bringt gar nichts. Trump muss man mit aller Vorsicht behandeln, wie einen Psychiatriepatienten, den es durch eine Laune der Geschichte in diese Position befördert hat.“

La Stampa (IT) /

Die Destabilisierung der EU

La Stampa stellt fest:

„Die vielgepriesene 'special relationship' ist klar gescheitert, wir befinden uns an einem Wendepunkt. Die Unklarheit ist endlich beseitigt, allerdings nicht durch die Initiative der Premierministerin, die in diesem Fall die Geschädigte (und Beleidigte) bleibt. Sie, die lange auf der Erzählung ihrer Mission als Brückenbauerin zwischen den Atlantikküsten beharrte. Und jetzt, da Trumps Beleidigungen öffentlich werden, sind es gerade ihre europäischen Partner, die sich solidarisch mit ihr zeigen und sie verteidigen. Denn diese Äußerungen verfolgen auch ein geopolitisches Ziel: die Destabilisierung der EU, ein Interesse, das der US-Präsident mit seinem Freund Putin und sogar mit Xi Jinping teilt.“