Iran-Krieg: Wohin führen die neuen Angriffe?
Die USA haben erneut militärische Ziele im Iran angegriffen. Damit solle die Fähigkeit Teherans, Handelsschiffe in der Meerenge von Hormus zu attackieren, geschwächt werden, teilte das US-Regionalkommando mit. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf US-Basen in der Golfregion. Kommentatoren beleuchten mögliche Strategien und ihre Risiken.
Mitunter hilft nur militärischer Druck
Mit diplomatischen Mitteln allein sind solche Konflikte nicht beizulegen, meint der Tagesspiegel:
„Waffeneinsatz in der Waffenruhe gilt als Rechtsbruch. Doch ein haltbarer Frieden am Golf und eine Rückkehr zu der verlässlichen Versorgung mit Öl und Gas zu den vor dem Krieg üblichen Preisen sind nur möglich, wenn Trump die Mullahs durch militärischen Druck konsequent zwingt, die Straße vor Hormus freizugeben. Die Europäer sollten die Lehre auch wegen der Ukraine beherzigen. ... Auch dort ist die Hoffnung abwegig, dass ein Wladimir Putin aus freien Stücken einhält, was ausgehandelt wurde. Er hat nahezu alle Abkommen gebrochen. Einen Friedensvertrag für die Ukraine wird auch er nur so weit respektieren, wie er sich durch anhaltenden militärischen Druck gezwungen sieht.“
Teheran hat ehrgeizige Ziele
La Repubblica sieht ein taktisches Vorgehen des Iran:
„Die Vorherrschaft über die Straße von Hormus ist lediglich ein Mittel zum Zweck, Irans strategisches Ziel ist weitaus ehrgeiziger: seine Rolle als Regionalmacht im gesamten Golf mit militärischen Mitteln durchzusetzen. Die Revolutionsgarden wollen nicht nur demonstrieren, dass sie trotz der amerikanischen Luftangriffe weiterhin in der Lage sind, überall zuzuschlagen. Vor allem wollen sie deutlich machen, dass Donald Trump nicht bereit ist, zum Schutz der sunnitischen Monarchien in einen Krieg einzutreten. Diese strategische Vorstellung steckt hinter der Eskalation der Revolutionsgarden.“
Fehlkalkulation möglich
Momentan gelingt es Iran noch, mit asymmetrischer Kriegsführung regionale Konflikte zu schüren, analysiert Jutarnji list:
„Teheran ist in einer besseren Position, da die US-Angriffe keinen Einfluss auf seine Vergeltungsmöglichkeiten und das Überleben des Regimes haben. Während die Angriffe andauern, wird das unzufriedene iranische Volk keine Demonstrationen organisieren. ... In diesem Moment steuert der Iran die Dynamik des latenten Krieges, der sich durch ständige Scharmützel kennzeichnet, doch Kriege entwickeln sich selten so, wie sich das die beteiligten Parteien wünschen. ... Die US-Angriffe haben das Regime nicht gestürzt, doch haben sie den militärischen Kapazitäten der Islamischen Republik riesigen Schaden zugefügt. Teheran könnte sich verkalkulieren und in einer Lage wiederfinden, in der es nicht mehr asymmetrisch antworten kann.“
Beide Seiten brauchen eine Einigung
Mladá fronta dnes beleuchtet den Bedarf an einer friedlichen Lösung bei beiden Parteien:
„Die Zeit drängt, die US-Zwischenwahlen stehen bevor. Ein Krieg ist für Trump zu riskant, und die Iraner wissen das. Der Präsident wird wohl letztendlich eine Wiederaufnahme des Waffenstillstands und Verhandlungen bevorzugen. Doch auch die Gegenseite muss den nicht ablehnen. Der Economist schrieb, die meisten Iraner wünschten sich wirtschaftliche Erholung und eine Lockerung der Sanktionen, nicht die Wiedereinführung der US-Seeblockade und einen weiteren Krieg. ... Paradoxerweise liegt es also im langfristigen Interesse beider Länder, einen Ausweg zu finden.“
So finanziert die Welt die Mullahs
Die Salzburger Nachrichten ärgern sich über Trump:
„Denn die Straße von Hormus, durch die bisher rund ein Viertel des Rohöls bzw. ein Fünftel des Flüssiggases, die weltweit gehandelt werden, ging, wird wohl auf längere Zeit nicht mehr gratis passierbar sein. Diese Maut zahlen indirekt wieder wir alle über höhere Preise. Damit finanzieren wir unfreiwillig das Mullah-Regime mit. Donald Trump hat mit dem Start des Kriegs gegen den Iran also uns allen einen Bärendienst erwiesen und den Mullahs ohne Not einen neuen Hebel in die Hand gegeben. ... Es braucht daher jetzt Druck von vernünftigen Kräften ... . Denn von einer Waffenruhe, die tatsächlich hält, würden sie alle profitieren: die gemäßigten Politiker in den USA und im Iran, die Weltwirtschaft, die Zivilbevölkerung in Nahost – und wir alle als Konsumentinnen und Konsumenten.“