Rumänien: Skandal um private Pflegeheime
Der rumänische Staat wirft dem Unternehmer Viorel Pașca vor, ohne Lizenz mehrere Alters- und Pflegeheime unterhalten und dabei mehr als 400 Menschen um Renten und Zuschüsse gebracht zu haben. Vermittelt wurden Pașca die schutzbedürftigen Menschen allerdings direkt von staatlichen Institutionen. Nicht nur deshalb fragen sich Kommentatoren, was der eigentliche Skandal ist: Pașcas Verhalten oder das des Staates.
Der Staat entzieht sich seiner Verantwortung
Republica.ro sieht eine dunkle Zukunft im rumänischen Sozialsektor:
„In Zukunft werden wir immer mehr ältere Menschen haben. Wir wissen nicht, wer für ihre Renten aufkommen wird. Wir werden niemanden haben, der sie unterstützt (wir haben schon heute weder Sozialarbeiter noch Einrichtungen, in denen sie betreut werden könnten). Wir werden keine Ärzte haben, die sie behandeln werden (denn diejenigen, die hier arbeiten könnten, studieren im Ausland und bleiben größtenteils dort). … Ja, der Staat hat sich seiner Verantwortung für die soziale Betreuung von kranken, obdachlosen oder älteren Menschen mit geringem Einkommen entzogen. ... Und wir wollen nicht einmal einsehen, welches immenses Problem hier auf uns zukommt und schon gar nicht über Lösungen sprechen.“
Soziales Engagement in der Grauzone
Hier gibt es wohl weder schwarz noch weiß, schreibt der Theologe Teofil Stanciu bei Contributors:
„Hat Viorel Pașca nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt oder aus eigennützigem Interesse? Für jene, die seine Heime besucht haben (einige hundert Menschen) besteht kein Zweifel, dass er Gutes getan hat. Hat er das Gesetz respektiert oder verletzt? Höchstwahrscheinlich bewegte er sich in einer Grauzone. Wie moralisch war das? Klar ist: Der Staat scheint sich mit einer übertriebenen juristischen Härte gegen einen Mann gewandt zu haben, dem er mit bürokratischer Gleichgültigkeit und institutioneller Hilflosigkeit ein Problem überlassen hat, für das er selbst keine tragfähige Lösung hat.“
Unverhältnismäßiges Spektakel
Revista 22 findet den Großeinsatz der Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität (DIICOT) fragwürdig:
„Warum ein solches Spektakel, um eine Familie festzunehmen, als handelte es sich um ungewöhnlich gefährliche Mafiosi? ... Niemals hat die DIICOT ein solches Arsenal genutzt, um kriminelle Clans zu verhaften und zu zerschlagen. ... Die 409 Heiminsassen wurden mitgenommen und aufs ganze Land verteilt. Die DIICOT behauptet, sie habe diese Menschen aus den Fängen von Menschenhändlern befreit und den legitimen Institutionen übergeben. Sehr gut möglich, dass es ihnen dort jetzt schlechter geht und dass diese Institutionen sie einst selbst zu Pașca gebracht haben. Aber das braucht die DIICOT jetzt nicht mehr zu kümmern.“