Was bewirkt ukrainischer Drohnenbeschuss in Russland?
Während Kyjiw unter russischem Raketenbeschuss steht, greift die Ukraine weiter Ziele in Russland und auf der russisch besetzten Halbinsel Krim an. In den vergangenen Tagen traf es erneut Raffinerien sowie Logistikzentren des Online-Händler Wildberries, die nach Drohnenattacken in Brand gerieten. Kommentatoren analysieren strategische Ziele der Ukraine und ihre Folgen für den Kreml.
Moskaus Probleme wachsen rapide
24tv.ua analysiert:
„Der Kreml muss nun Probleme unterschiedlicher Natur bewältigen. Das wird immer schwieriger. Online-Marktplätze haben Teile des zivilen Wirtschaftssektors bislang noch über Wasser gehalten. Doch die offiziellen russischen Statistiken weisen inzwischen einen Rückgang im zweiten Quartal sowie im ersten Halbjahr aus. Dabei sind die Auswirkungen der Brände sowie der Probleme bei der Treibstoffversorgung noch gar nicht vollständig erfasst. ... Hinzu kommt die Notwendigkeit, gegen die weiter wachsende Verschuldung vorzugehen – im Grunde also 'Geld zu drucken'. Negativ auf den Handel werden sich außerdem die Probleme im Asowschen und im Schwarzen Meer auswirken. … Bis zum Herbst sollte zumindest ein Anreiz für einen Dialog über einen Waffenstillstand entstehen.“
Frieden gegen Frieden
Kyjiw hat eine eigene Formel für ein Kriegsende, erklärt der Parlamentsabgeordnete Mykola Knjaschyzkyj in einem von Espreso übernommenen Facebook-Post:
„Der Abnutzungskrieg bedeutet inzwischen unter anderem auch die Erschöpfung der russischen Wirtschaft und Gesellschaft. ... Offensichtlich wird die Ukraine ihre Angriffe nicht einstellen, solange Russland seine nicht einstellt. Während sich viele das Ende des Krieges früher nach der Formel 'Frieden im Austausch gegen Territorien' vorgestellt haben, bietet die Ukraine nun 'Frieden im Austausch gegen Frieden' an. Früher oder später wird dieser Krieg genau auf diese Weise enden. Und je schneller die Mehrheit der Menschen in Russland das erkennt, desto größer ist die Chance, dass dies früher geschieht, als es den älteren Herren im Kreml lieb sein dürfte.“
Täuschung epischen Ausmaßes
Angesichts der im September anstehenden Parlamentswahl in Russland resümiert der Politologe Abbas Galliamow in Facebook:
„Die Zeit ist gekommen, sich daran zu erinnern, dass das wichtigste Wahlmotiv, das die Menschen vor einem Vierteljahrhundert dazu veranlasste, massiv für Putin zu stimmen, das Bedürfnis nach Sicherheit war. Die Russen wählten Putin gerade deshalb, weil er ihnen ein friedliches Leben versprochen hatte – ohne Explosionen und Morde, ohne dass Häuser einstürzen und Städte in Flammen stehen. Das ergibt solch eine Dialektik: von Sicherheitsversprechen hin zur vollständigen Zerstörung eben dieser Sicherheit. Das war eine Täuschung von geradezu epischem Ausmaß.“